Magdeburg l Der Kaufpreis für landwirtschaftliche Flächen in Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr durchschnittlich um rund 4000 Euro pro Hektar gestiegen. Für einen Hektar Land erzielte die Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH (BVVG), die Agrarflächen aus dem ehemaligen Staatseigentum der DDR privatisiert und verpachtet, einen Preis von 23.361 Euro - 21 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insgesamt 6500 Hektar Fläche wurden durch das Staatsunternehmen 2014 veräußert. Über Erlöse von 126 Millionen Euro freut sich nun Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die BVVG, die in diesem Jahr rund 4600 Hektar verkaufen will, rechnet mit weiter steigenden Preisen. Rund 113 Millionen Euro Einnahmen daraus erwartet das Unternehmen für das Jahr 2015. "Wir sind keine Preistreiber", sagte der Leiter der Magdeburger BVVG-Niederlassung, Hans-Egbert von Arnim. Die BVGG erziele marktübliche Preise, so von Arnim. Etwa 80 Prozent der Flächen seien im vergangenen Jahr an Landwirte verkauft worden, die auch in Sachsen-Anhalt wirtschafteten.

Landwirte sollen bei Verkauf bevorzugt werden

Doch an der Vergabepraxis der BVVG gibt es bereits seit Jahren Kritik. Bauern im Land bemängeln Gutachten, die Preise für landwirtschaftliche Flächen in die Höhe schrauben würden. "Durch ihre eigenen Praktiken hat die BVVG zu den Preissprüngen beigetragen", wirft Landwirt Lutz Trautmann der BVVG vor. Preise, die derzeit aufgerufen werden, seien durch landwirtschaftliche Tätigkeit nicht zu erbringen, kritisiert der Chef der Agrargenossenschaft Hedersleben (Landkreis Mansfeld-Südharz), der im Bauernverband im Fachausschuss Boden sitzt.

Auch das Landwirtschaftsministerium sieht die Aktivitäten der BVVG kritisch. "Das Land würde anders privatisieren, als es die BVVG derzeit tut", sagt Sprecher Detlef Thiel. Seit Monaten diskutiert das Land mit dem Bund diesen Vorschlag: Die verbliebenen Flächen der BVVG in Sachsen-Anhalt - immerhin noch 44.000 Hektar - werden auf die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt übertragen.

Das öffentliche Unternehmen bewirtschaftet, privatisiert und verpachtet derzeit bereits Flächen, die sich in Landeseigentum befinden. Danach sollen nur noch Flächen bis zehn Hektar privatisiert werden. Das Land will dadurch vor allem private Kapitalanleger aus dem Markt heraushalten, so Thiel. Außerdem soll es Landwirten ermöglicht werden, Flächen bevorzugt zu kaufen. Noch bis Ende des Jahres hofft das Landwirtschaftsministerium auf eine verbindliche Regelung mit dem Bund.

Auch das von Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) vorgeschlagene Agrarstruktursicherungsgesetz soll Investoren, die landwirtschaftliche Flächen als Anlagemöglichkeit sehen, ausbremsen. Das Gesetz soll es künftig ermöglichen, den Verkauf von Land zu untersagen, wenn der Preis den Verkehrswert der Fläche um mehr als 50 Prozent übersteigt. Der Minister gibt zu seinem Vorschlag am morgigen Donnerstag eine Regierungserklärung im Landtag ab.