München (dpa) l Der digitale Umbruch bringt die deutsche Wirtschaft unter Zugzwang: Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse müssen umgekrempelt und die Beziehungen zu Kunden und Zulieferern neu justiert werden. Doch vor allem viele Mittelständler reagieren noch zu behäbig auf die Herausforderungen, mahnen Experten.

Beispiele wie der Fahrdienst-Anbieter Uber oder der Zimmer-Vermittler AirBnB machen deutlich, wie rasant sich viele Märkte wandeln.

Betroffen sind fast alle Firmengrößen und Branchen - nach Einzelhandel und Medienwirtschaft auch die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern, Lebensmittelhersteller, aber auch Banken, Versicherungen und andere Wirtschaftszweige.

Der wohl größte Investitionsbedarf zeichnet sich bei Industrieunternehmen ab, die ihre Produktion vernetzen, Lieferketten umstellen und eine ganz neue Kundenkommunikation betreiben müssen.

Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, beklagt: Jeweils rund ein Fünftel der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland sei nicht mit einer eigenen Website im Internet vertreten und nicht in sozialen Netzwerken aktiv, sechs von zehn mittelständischen Händlern betreiben keinen Onlineshop. Ohoven hält das für eine sträfliche Nachlässigkeit.

Die Gründe sind dabei vielfältig: Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft derzeit rund, das schafft vermeintlich wenig Handlungsdruck. Aber auch die Altersstruktur der Unternehmer spielt eine Rolle: Der Firmen-Patriarch mit Mitte Sechzig tut sich tendenziell schwerer mit neuen Technologien als der junge Start-up-Unternehmer, der mit dem Internet aufgewachsen ist.