New York (dpa) l Michael Hasenstab von der US-Investmentfirma Franklin Templeton ist ein Star unter den internationalen Fondsmanagern. Eine erfolgreiche Wette auf das Comeback des Euro-Krisenstaats Irland machte ihn berühmt. Aber zuletzt hat Hasenstab sich mit einer Megainvestition in der Ukraine verzockt. Nun muss Kiew die finanzielle Zukunft mit dem Großinvestor verhandeln.

"Meines Erachtens hat die amtierende Regierung [...] den Boden dafür bereitet, dass die Ukraine in den nächsten fünf bis zehn Jahren florieren kann", sagte Hasenstab im April 2014. Ein aktuelles Statement wollte der Anleiheinvestor der Nachrichtenagentur dpa nicht geben. Die Ukraine-Wette dürfte derzeit aber kaum Freude bereiten.

Über sieben Milliarden Dollar hat Hasenstab laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg mit Templeton-Fonds in der Ukraine investiert. Er hält mehr als ein Drittel der internationalen Staatsanleihen. Mit der gewagten Wette gingen laut Bloomberg bereits drei Milliarden Dollar verloren. Für Franklin Templeton ist das wohl zu verschmerzen, denn die Fonds sind so riesig, dass die Anleihen und ihre Verluste nicht sonderlich ins Gewicht fallen.

Für die Ukraine könnten die Konsequenzen durch den großen Einfluss des Einzelinvestors indes erheblich sein. Die Erleichterung war zwar groß, als der Internationale Währungsfonds (IWF) vor kurzem ein neues Hilfsprogramm auf den Weg brachte. Allerdings sind die 17,5 Milliarden Dollar, die der IWF beisteuern will, nur ein Teil des angepeilten Gesamtrahmens von 40 Milliarden Dollar. 15 Milliarden Dollar davon soll die Ukraine bei privaten Gläubigern auftreiben.

Das bedeutet, die Regierung muss einen Schuldenschnitt verhandeln. Damit kommt Hasenstab eine entscheidende Rolle zu. Branchenkenner beschreiben den Investor zwar als besonnen. Sie betonen, seine Strategie sei eine andere, als die der "Geierfonds", die zum Beispiel Argentinien zu schaffen machten. Dennoch darf bezweifelt werden, dass der Fondsmanager zu großen Abstrichen bereit wäre.

Rechtsberater für aggressive Verhandlungen

Der IWF weiß, dass die in den Unterlagen zum Hilfsprogramm "Debt Operation" genannte Umschuldung problematisch werden kann - eben wegen Investoren wie Hasenstab, bei denen sich viel Macht ballt. "Die Verhandlungen könnten sich hinziehen, insbesondere weil einige Gläubiger große Positionen in bestimmten Anleiheserien halten", heißt es beim IWF. Wenn ein Einzelinvestor genug Papiere hält, kann er den Forderungsverzicht häufig mit einer Sperrminorität blockieren.

Beim IWF hat man wohl schon eine Vorahnung: "Die Teilnahme an der ,Debt Operation` könnte unter den Erwartungen bleiben", warnte der Währungsfonds bereits. Genau das zeichnet sich nun ab. So berichtete die "Financial Times" jüngst unter Berufung auf eingeweihte Kreise, Franklin Templeton habe sich mit anderen Gläubigern zusammengetan und Rechtsberater bei der New Yorker Private-Equity-Firma Blackstone angeheuert, um sich auf aggressive Verhandlungen vorzubereiten.

Zusätzlich erschwert wird die ohnehin verfahrene Situation durch einen Kredit über drei Milliarden Dollar, den Russland der Ukraine kurz vor dem Machtwechsel in Kiew gegeben hatte. Der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge besteht Moskau auf volle Rückzahlung. Der Schuldenschnitt, der wesentlicher Bestandteil des IWF-Plans ist, dürfte also noch viel Arbeit erfordern.