Magdeburg/Genthin l Seit Monaten hatten Ermittler der Bielefelder Staatsanwaltschaft die Alambeigi-Brüder und drei weitere Verdächtigte im Visier. Am Mittwoch schlugen die Beamten zu. An 37 Standorten in Deutschland und Europa wurden Büroräume der ehemaligen Hansa Group durchsucht. Auch im Waschmittelwerk in Genthin (Jerichower Land) stellten Polizisten des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt, die ihren Kollegen aus Nordrhein-Westfalen halfen, umfangreiche Akten sicher.

Seit 2009 gehörte der ehemalige Standort des Waschmittelproduzenten Henkel zur Hansa Group. Der Verdacht gegen die Alambeigi-Brüder, mit einer gefälschten Konzernbilanz Kredite und Subventionen bekommen zu haben, wirft ein neues Licht auf die Aktivitäten der Iraner in Genthin.

Im Jahr 2012 nahm das Waschmittelwerk eine neue Tensid-Anlage in Betrieb. Die Investition im Wert von 50 Millionen Euro wurde mit 8,58 Millionen Euro durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert. Insgesamt seien in das Hansa-Werk zwischen 2010 und 2012 9,1 Millionen Euro an Fördermitteln geflossen, bestätigte das Wirtschaftsministerium.

Nach der Hansa-Insolvenz im Juli des vergangenen Jahres machten die Alambeigi-Brüder Geschäfte mit sich selbst.

Das Tafelsilber der Hansa Group kauften sie über die Schweizer Holding Gemini. In Duisburg gründeten sie eine Gesellschaft, die für den Betrieb und die Verwaltung der Standorte zuständig sein sollte.

Im Waschmittelwerk in Genthin führte Gemini einen harten Sanierungskurs durch. 50 Mitarbeiter mussten gehen. Die derzeit 100 Beschäftigten nahmen in Kauf, dass ihre Bezüge für die kommenden fünf Jahre um zehn Prozent gekürzt wurden. Produziert wird im Werk kaum. Wie es weitergeht, werden die Alambeigi-Brüder zunächst aus dem Gefängnis verfolgen müssen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen ihnen bis zu 15 Jahren Haft.

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