Magdeburg/Halle l In "Tri" taucht der Spieler in eine farbenfrohe, dreidimensionale Fantasiewelt ein. In einer asiatischen Tempelanlage trifft er auf einen Mönch, der ihm aufträgt, einen geheimnisvollen Fuchs einzufangen. Auf der Jagd nach dem heiligen Tier muss der Spieler magische Artefakte sammeln. Es handelt sich dabei um Dreiecke, sogenannte "Tris", nach denen auch das Spiel benannt ist. Sie helfen dem Spieler, Hindernisse zu überwinden und Rätsel zu lösen - und nicht zuletzt auch den Fuchs zu finden.

Rund zweieinhalb Jahre haben die Hallenser Designer Jana Reinhardt und Friedrich Hanisch gebraucht, das Spiel zu entwickeln. Für ihre Bemühungen wurden sie nun mit dem Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie "Bestes Jugendspiel" belohnt. "Das ist ein großer Erfolg für uns", sagt Hanisch. Mit dem Preisgeld von 50.000 Euro will der 32-Jährige mit seiner Partnerin das noch junge Unternehmen Rat King weiterentwickeln. "Der Preis hilft uns natürlich auch, in der Entwickler-Szene und bei den Spielern bekannter zu werden", betont Hanisch.

Videospiele-Markt legt elf Prozent zu

Mehr als 34 Millionen Menschen verbringen in Deutschland inzwischen ihre Freizeit mit digitalen Spielen. Nach Angaben des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) ist der Markt im vergangenen Jahr um elf Prozent gewachsen, der Gesamtumsatz belief sich auf 2,6 Milliarden Euro. Obwohl die Nachfrage nach Spielen groß ist, gibt es bislang nur wenige deutsche Firmen, die Spiele entwickeln und vermarkten. Zuletzt lag ihr Anteil am Gesamtumsatz gerade einmal bei elf Prozent, die meisten Spiele stammen aus Asien und den USA.

"Es gibt auch viele deutsche Entwickler-Teams, die gute Ideen haben", betont Jana Reinhardt, doch die Konkurrenz sei groß, der Weg zum Erfolg lang. "Manche arbeiten auch über Jahre hinweg an einem Spiel und finden kein Ende", so die 30-jährige Designerin. Ein weiterer Knackpunkt ist die Finanzierung der Entwicklungsarbeit.

Reinhardt und Hanisch haben die Arbeit an "Tri" selbst finanziert, indem sie nebenbei andere Auftragsarbeiten erledigten. Üblich ist es aber auch, sogenannte Publisher mit ins Boot zu holen. Es handelt sich dabei um Unternehmen, die Entwicklungen vorfinanzieren und auch für die Vermarktung sorgen.

Kunden kaufen Spiele über Online-Plattformen

"Der Nachteil bei manchen Publishern ist, dass sie in die Projekte hineinreden, so dass sich die Entwickler am Ende mit ihrem eigenen Werk nicht mehr so richtig identifizieren können", erklärt Hanisch. Verkauft werden Spiele wie "Tri" inzwischen über Online-Shops wie Steam. "Früher hatten wir auch einen eigenen Shop, aber der hat sich aufgrund geringer Nutzerzahlen nicht gelohnt", erläutert Hanisch. Der Vorteil großer Online-Plattformen besteht für Entwickler darin, dass sie ihre Spiele gleich international anbieten können. "Tri" ist für rund 13 Euro erhältlich.

Der Nachteil: Täglich kommen neue Spiele auf den Markt, Entwickler müssen Geld für Marketing-Aktionen haben, um die Aufmerksamkeit auf ihr Spiel zu lenken. Aus diesem Grund haben Reinhardt und Hanisch bei der Entwicklung von "Tri" zunächst zwar auf einen Publisher verzichtet, später aber doch eine Kooperation mit dem britischen Unternehmen Rising Star Games geschlossen.

"Wir konnten das Unternehmen von "Tri" überzeugen, es übernimmt für uns nun weltweit das Marketing, das könnten wir alleine sonst nicht stemmen", erklärt Hanisch. Nach dem Gewinn des Deutschen Computerspielpreises wollen sich Hanisch und Reinhardt bei weiteren Wettbewerben beteiligen, darunter auch beim Landeswettbewerb Bestform. "Die Wettbewerbe sind nicht nur finanziell reizvoll, sie bieten auch die Möglichkeit, sich zu vernetzen", sagt Jana Reinhardt. Auch auf Messen will sich das Duo weiterhin präsentieren.

Langlebige Videospiele-Trends gibt es nicht

Da "Tri" bereits seit Oktober 2014 auf dem Markt ist, arbeitet das Entwicklerduo schon an neuen Projekten. "Wir wollen Spiele in Zukunft noch schneller auf den Markt bringen", erklärt Hanisch. Das sei wichtig, weil Spielkonzeptionen auf einem so dynamischen Markt schnell als überholt gelten können.

"Wer heute ein Spiel konzipiert, sollte sich überlegen, ob es künftig auch mit einer Virtual-Reality-Brille gespielt werden könne", so Hanisch. Um Spiele schneller zu entwickeln, braucht das Hallenser Entwicklerduo allerdings noch personelle Unterstützung. "Wir suchen derzeit einen Grafiker."

Doch nicht nur die Art der Spiele ändert sich rasant. Die Spieler nutzen zunehmend auch unterschiedlichste Geräte. Laut dem Verband BIU greifen inzwischen 22,3 Millionen Deutsche zu Smartphones und Tablets, um zu spielen. Das sind 7 Prozent beziehungsweise 1,4 Millionen Menschen mehr als noch 2013. Der Umsatz von Spiele-Apps für die mobilen Geräte hat sich in nur einem Jahr mehr als verdoppelt, er betrug 2014 263 Millionen Euro. Ein Wachstumsmarkt, den sich das Hallenser Duo noch stärker vorknöpfen könnte.

Bilder