Berlin (AFP) l Tausende Lokführer streiken, etliche Züge stehen still - nun will die Deutsche Bahn den festgefahrenen Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL mit dem früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck wieder in Gang bringen. Er solle als "unabhängige Persönlichkeit" mit an den Verhandlungstisch kommen, bot Konzernchef Rüdiger Grube am Mittwoch in Berlin an.

Platzeck könne beiden Seiten "objektiv neutral" gegenübertreten, führte Grube aus. Er solle an den Gesprächen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) teilnehmen, um "unterschiedliche Interpretationen und Streit über Sitzungsergebnisse" zu vermeiden. Platzeck zeichne sich durch seine Professionalität, Glaubwürdigkeit und seine persönliche Authentizität aus.

Die Bahn halte zwar weiter eine Schlichtung für die "beste Lösung" des Konflikts, sagte Grube am inzwischen dritten Tag des fast einwöchigen Lokführerstreiks. Er bot zugleich an, dass auch die GDL eine "eigene unabhängige Persönlichkeit" hinzuziehen könne. Zur Bedingung für diese Art der Vermittlung machte er jedoch, dass sie sofort beginne und die GDL ihren Streik "augenblicklich" beende. Bisher hätten die Streiks der Lokführer die Bahn bereits rund 220 Millionen Euro gekostet. Die Verluste durch den seit Montagnachmittag laufenden achten Arbeitskampf seien darin aber noch nicht enthalten.

GDL-Chef Weselsky betonte, die Gewerkschaft werde sich erst nach einer Bewertung durch die Gremien öffentlich zu dem Vorschlag äußern. Sie werde nicht aufgrund eines "PR-Gags" der Bahn ihren Streik beenden.