Berlin (AFP) l Die Deutsche Bahn macht durch den knapp einwöchigen Lokführer-Ausstand Millionenverluste in dreistelliger Höhe. Auch der dadurch bedingte Produktionsausfall in Stahl-, Chemie- und Automobilbranche zieht für die Wirtschaft Schäden in Millionenhöhe nach sich.

Die Deutsche Bahn: Der Deutschen Bahn entgehen Einnahmen, sie muss Kosten für die Umplanung von Zug- und Dienstplänen tragen, gestrandete Fahrgäste entschädigen und beispielsweise auch Graffitis an streikbedingt abgestellten Zügen entfernen lassen. Bahn-Chef Rüdiger Grube beziffert die Kosten der sieben ersten GDL-Streiks auf 220 Millionen Euro. In dieser Summe sind die Verluste durch den seit Montag laufenden Ausstand noch nicht enthalten. Allein im Güterverkehr entgehen der Bahn drei Millionen Euro Umsatz pro Streiktag.

Die Wirtschaft: Besonders stark bekommen laut BDI die Stahl-, Chemie- und Automobilbranche den Lokführerstreik zu spüren. "Leere Lager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionsausfälle" seien die Folge. Die Deutsche Bahn will deshalb zwei Drittel der Güterzüge fahren lassen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag geht davon aus, dass ein mehrtägiger Streik Unternehmen leicht mehr als 100 Millionen Euro täglich kostet. Laut DIHK drohen Schäden von 500 Millionen Euro.

Lokführergewerkschaft GDL: Bei der GDL schlägt der Streik täglich mit etwa 225.000 Euro zu Buche. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass jeden Tag etwa 3000 Lokführer ihre Arbeit niederlegen. Sie erhalten dafür 75 Euro netto Streikgeld pro Tag - eine Summe, die den entgangenen Lohn der Beschäftigten nicht kompensiert. Treten tatsächlich 3000 Mitglieder täglich an sieben Tagen in den Ausstand, kostet das die GDL insgesamt bis zu 1,6 Millionen Euro. Wie viel Geld die GDL in der Streikkasse hat, ist - wie bei anderen Gewerkschaften auch - ihr Geheimnis. Die GDL gehört zum Beamtenbund (dbb) und beantragt dort regelmäßig eine Unterstützung für ihre Streikkasse.

Eine knappe Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für den erneuten Lokführer-Streik. In einer Infratest-dimap-Umfrage für den ARD-"Deutschlandtrend" gaben dies 52 Prozent der Befragten an. Demnach haben 6 Prozent der Bürger Verständnis für den Streik. Jeder zweite Deutsche (50 Prozent) macht die GDL dafür verantwortlich, dass erneut gestreikt wird. Die Bahn sieht nur ein gutes Viertel (27 Prozent) als Hauptverantwortliche für den Streik.