Magdeburg (dpa) l Lange liebäugelte der Magdeburger Gastronom Arno Frommhagen mit einem neuen Café direkt an der Elbe. Die Toplage sei ihm angeboten worden, wirtschaftlich habe er es sich leisten können, doch er verzichtete.

Die Mischung aus fehlenden Nachwuchskräften, Mindestlohn-Bürokratie und der schwieriger werdenden Suche nach Sommer-Aushilfen schreckte ihn ab, sagt Frommhagen. "Der Wettbewerb um verlässliche Kellner und Köche hat sich verschärft, der demographische Faktor greift."

Kleine Gaststätten verkürzen Öffnungszeiten

Mit seinen Sorgen ist der Magdeburger nicht allein. Die Personalknappheit macht vielen Gastronomen in Sachsen-Anhalt zu schaffen. Gerade im Sommer, wenn viele Cafés, Restaurants und Kneipen dank Freisitz mehr Plätze anbieten, werde der Mangel sichtbar. "Das zieht sich wie ein roter Faden quer durch", beschreibt der Vize-Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), René Maksimcev, die Situation im Land. "Das fängt bei den offenen Ausbildungsstellen an und hört bei den Saisonkräften auf."

Aushilfskellner seien noch ganz gut zu finden, zumindest in den Städten. "Am wenigsten Probleme haben noch die Unistädte Magdeburg und Halle und die großen Tourismusleuchttürme im Harz", sagt Maksimcev. Doch nach Köchen suche die Branche das ganze Jahr händeringend. "Gerade kleinere Gaststätten verkürzen inzwischen ihre Öffnungszeiten oder führen einen zusätzlichen Ruhetag ein."

Im April waren bei der Bundesagentur für Arbeit gut 200 offene Stellen in der Gastronomie gemeldet. Das sei fast ein Fünftel mehr als im Vorjahresmonat, teilte die zuständige Regionaldirektion in Halle mit. Wie viele der Gesuche Aushilfsstellen seien, lasse sich aus der Statistik nicht ablesen.

Gastro-Branche fehlen die Auszubildenden

Die Arbeitsagentur ist laut Dehoga-Vizepräsident Maksimcev noch immer der klassische Weg zu neuen Mitarbeitern. Doch auch die sozialen Karriereplattformen wie Xing würden wichtiger. Und der Blick ins Ausland. "Viele Gastronomen prüfen Möglichkeiten, Spanier oder Portugiesen für ihre Gaststätten zu gewinnen", berichtet Maksimcev. Allerdings nicht als Aushilfen, sondern als Auszubildende, denn deren Fehlen schmerze die Gastronomen besonders.

Auch die Gastwirte in der Magdeburger Innenstadt strecken ihre Fühler vermehrt nach ausländischen Fachkräften aus, sagt Frommhagen, der auch Sprecher der Interessengemeinschaft Innenstadt ist.

Allerdings habe der Mindestlohn die Suche nach Personal, vor allem nach Aushilfen, zusätzlich erschwert. "Viele suchen sich lieber einen anderen Job für 8,50 Euro die Stunde, in dem sie nicht in Schichten und am Wochenende arbeiten müssen", beschreibt Maksimcev von der Dehoga.

Personalsituation bremst Investitionen

Gewerkschafter Jörg Most fürchtet hingegen, dass sich viele Gastwirte um den Mindestlohn drücken. "Da werden die Arbeitszeiten so angeglichen, dass die 8,50 Euro pro Stunde erreicht sind, und anschließend werden die Mitarbeiter dazu aufgefordert, die restliche Zeit mit unbezahlten Überstunden auszugleichen", sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten im Raum Halle.

Auch Gastronom Frommhagen glaubt, dass manche Kollegen den Mindestlohn umgehen. "Die nehmen das noch nicht so ernst und bei der nächsten Betriebsprüfung kommt dann das große Erwachen." Diese Kollegen seien jedoch die Ausnahme, so Frommhagen. Die meisten würden wegen der schwierigen Personalsituation eher bei Investitionen sparen. "Unsere Firma hat aufgehört, zu expandieren."