Berlin (AFP) l Im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL haben sich am Sonntag die Fronten erneut verhärtet. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte: "Beide Parteien sollten sich so schnell wie möglich auf ein Schlichtungsverfahren einigen."

Vertreter der Deutschen Bahn und der GDL hatten am Freitag und Sonnabend über eine Lösung des seit Monaten andauernden Konflikts vertraulich verhandelt - insgesamt 20 Stunden nach Angaben des Konzerns. Doch zu einem für Sonntagmorgen verabredeten Treffen beider Seiten kam es nicht mehr.

Die GDL warf der Bahn in einer Erklärung vor, den Verhandlungstisch verlassen und die Verhandlungen "einseitig" abgebrochen zu haben. "Noch während die GDL das vom Arbeitgeber vorgelegte Angebot bewertete, verließ die Verhandlungsdelegation der DB den Verhandlungstisch", empörte sich GDL-Chef Claus Weselsky. "Damit verspielt der Arbeitgeber absichtlich die Chance auf Zwischenergebnisse und anschließende Schlichtung."

Doch die Bahn stellte die Vorgänge völlig anders dar. "Die GDL verdreht die Tatsachen", erklärte das Unternehmen. Es sei die Gewerkschaft gewesen, die zu der geplanten Fortsetzung der Gespräche am Sonntagmorgen nicht erschienen sei. Dabei habe die Bahn "ein neues umfangreiches Angebot" für die Berufsgruppe der Lokrangierführer vorgelegt.

Die GDL habe diese Vorschläge als "durchaus einigungsfähig" bezeichnet, sie dann aber "zur Überraschung" der Bahn "aus politischen Gründen" abgelehnt. Wie es in dem Konflikt nun weitergeht und ob den Bahnfahrern neue Streiks drohen, blieb zunächst unklar. Die GDL erklärte, sie werde über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.