Düsseldorf (dpa) l Fast zwei Jahre ist es inzwischen her, dass die Baumarktkette Praktiker Insolvenz anmelden musste. Doch die Lücke, die durch die spektakuläre Pleite gerissen wurde, haben die Konkurrenten Obi, Bauhaus, Hornbach und Co. bis heute nicht komplett schließen können. Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger in den deutschen Baumärkten nach Angaben des Branchenverbandes BHB rund eine Milliarde Euro weniger aus als vor dem Marktaustritt von Praktiker.

Doch ist dies nur die eine Seite der Medaille. Auch wenn die Umsätze der Branche insgesamt geschrumpft sind, hat die Marktbereinigung den verbleibenden Unternehmen doch gut getan, wie der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), Peter Wüst, betont: "Die Unternehmen, die ökonomisch gekriselt haben, sind weg. Alle Unternehmen, die momentan noch am Markt sind, sind profitabel."

Umsatzplus bei Baumärkten

Die verbliebenen Baumarktketten übernahmen nicht nur Kunden von Praktiker, sondern auch viele attraktive Standorte. Besser noch für die Unternehmen: "Auch die Wettbewerbssituation hat sich etwas entspannt", wie Ulrich Kollatz von der Handelsberatung BBE erläutert.

Das tat den Bilanzen gut. Die Hornbach-Gruppe etwa steigerte im Geschäftsjahr 2014/215 ihren Umsatz um 6 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro. Der Konzernjahresüberschuss erhöhte sich sogar um fast 24 Prozent auf knapp 107 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der wesentliche Grund für die gestiegene Ertragskraft seien flächenbereinigte Umsatzsteigerungen und eine verbesserte Handelsspanne gewesen, sagte Firmenchef Abrecht Hornbach. Besonders stark war das Umsatzplus mit 7,6 Prozent bei den deutschen Baumärkten.

Dabei ist Hornbach kein Ausreißer. Insgesamt erzielten die verbliebenen Unternehmen der deutschen Do-it-Yourself-Branche laut BHB im vergangenen Jahr sogar ein Umsatzplus von 8,8 Prozent. In diesem Jahr rechnet die Branche allerdings mit einer deutlichen Abschwächung des Wachstums. "Die Pleite von Praktiker ist abgehakt. Die Umsätze sind verteilt. Jetzt herrscht wieder normaler Wettbewerb in der Baumarkt-Branche", meint der Branchenkenner Kollatz.

Baumärkte mit eigenen Online-Plattformen

Außerdem steht die Branche schon vor der nächsten Herausforderung: Denn auch im Reich der Hobbygärtner und Selfmade-Handwerker droht der Onlinehandel die etablierten Strukturen durcheinanderzuwirbeln. "Momentan wird viel ausprobiert, keiner weiß so genau, welche Sortimente online funktionieren", sagt Wüst. Nach Angaben des BHB lag der Anteil der E-Commerce-Umsätze im Do-it-yourself-Sektor 2014 bei gut fünf Prozent. Bis 2020 erwartet der Verband eine Verdopplung des Anteils auf rund 10 Prozent.

Doch haben Obi, Bauhaus und Co. auch hier bislang vergleichsweise gute Karten: Im Gegensatz zur Textilbranche, wo Newcomer wie Zalando sich große Teile des Marktes sicherten, spielen im Do-it-Yourself-Bereich reine Online-Anbieter bisher noch keine allzu große Rolle. Stattdessen versuchen die Platzhirsche mit ihren eigenen Online-Angeboten ihre Marktanteile zu verteidigen - ganz nach dem Branchenmotto: Do it yourself.