Die Geschäftslage im Handwerk im nördlichen Sachsen-Anhalt hat sich zum Ende des vergangenen Jahres "deutlich verbessert". Den kommenden Monaten blicken die Unternehmen "mit vorsichtigem Optimismus" entgegen. Das geht aus dem jüngsten Konjunkturbericht der Handwerkskammer Magdeburg für das zweite Halbjahr 2010 hervor.

Magdeburg. Auch wenn dem Handwerk im nördlichen Sachsen-Anhalt angesichts steigender Material- und Energiepreise zunehmend der Schuh drückt – insgesamt ist die Stimmung unter der Mehrzahl der rund 15 000 Kammerbetriebe mit ihren insgesamt 70 000 Beschäftigten zwischen Altmark und Harz nicht schlecht.

"Das Handwerk hat die Wirtschaftskrise sehr gut gemeistert", sagte gestern der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Werner Vesterling, bei der Vorstellung der Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammer in Magdeburg. Die Tendenz rückläufiger Umsätze sei durchbrochen worden.

Diese Lageeinschätzung korrespondiert mit der aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Halle, die vor wenigen Tagen ein ähnlich positives Konjunkturbild gezeichnet hatte.

"Die Investitionsbereitschaft unserer Betriebe ist spürbar gestiegen", konstatierte Vesterling. Die besserer Verbraucherstimmung führe dazu, dass beispielsweise private Haushalte vermehrt Geld für die Modernisierung und Sanierung etwa der eigenen vier Wände oder für den Hausneubau ausgeben würden. Zudem strahle das im vergangenen Jahr mit öffentlichen Mitteln aufgelegte bundesweite Konjunkturprogramm II, mit dem Investitionen in den Kommunen etwa die Sanierung von Schulen und Kindergärten angekurbelt wurden, auch noch auf dieses Jahr aus, erläuterte Vesterling. Dies schlage sich positiv in den Auftragseingängen der Handwerksbetriebe nieder. So habe sich deren Auslastung insgesamt verbessert, wenngleich, warnte der Kammerpräsident vor allzu großer Euphorie, immerhin noch ein Drittel der Unternehmen "von der Substanz" lebe.

Welchen Branchen es besonders gut oder besonders schlecht geht, lässt sich laut Vesterling nicht pauschal sagen. "Das liegt an der Kreativität und Flexibilität der Handwerksbetriebe", sagte er. Wer auch über 50 Kilometer fährt, der hat Aufträge", ergänzte Kammerhauptgeschäftsführerin Marianne Lehn.

Ihrer Ansicht nach spielt die in der Vergangenheit stetig thematisierte Kreditklemme im Tagesgeschäft jetzt kaum mehr noch eine Rolle. "Sehr gut angenommen" werde der sogenannte "Handwerker-Sofort-Kredit". Diesen kann ein Handwerksbetrieb bei der Stadtsparkasse Magdeburg bis zu einer Höhe von 125 000 Euro unter anderem für die Finanzierung von Betriebsmitteln, Investitionen aber auch zur Gründung einer neuen Existenz beantragen. Die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt übernimmt gegenüber dem Kreditinstitut eine Ausfallbürgschaft von maximal 100 000 Euro.

Den kommenden Monaten sieht das Handwerk laut der Umfrage, für die bei rund 800 Rückläufen etwas 2500 Unternehmen befragt worden waren, "vorsichtig optimistisch" entgegen, sagte Vesterling. Das Jahr 2011 habe gut begonnen. Knapp ein Drittel der Betriebe würde an einen weiteren Wirtschaftsaufschwung glauben. Die Hälfte gehe davon aus, dass das aktuelle Niveau gehalten werden kann. Knapp 20 Prozent erwartet eine rückläufige Geschäftslage.

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