Wolfsburg/Bonn (dpa). Korruptionsverdacht bei VW und der Telekom: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit Sponsorenverträgen für den Bundesligisten VfL Wolfsburg gegen mehrere Mitarbeiter der beiden DAX-Konzerne. Fahnder hätten Büros der Geschäftskundensparte T-Systems in Stuttgart durchsucht, sagte ein Telekom-Sprecher gestern in Bonn und bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". "Wir haben bereits personelle Konsequenzen gezogen." Ein ehemaliger T-Systems-Manager sei entlassen worden.

Dem Zeitungsbericht zufolge sollen Telekom-Manager versucht haben, durch die Verlängerung eines Sponsorenvertrags Aufträge über mehrere hundert Millionen Euro von Volkswagen zu erlangen. VW ist Hauptinhaber und wichtigster Geldgeber des Bundesligisten. Die Ermittlungen richteten sich gegen zwei frühere Manager und einen ehemaligen Berater der Telekom-Tochterfirma T-Systems sowie zwei Mitarbeiter aus dem Einkauf von VW.

Die beiden beschuldigten ehemaligen T-Systems-Manager hätten Büros in Stuttgart gehabt und von dort ihre illegalen Absprachen getroffen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Obwohl kein Geld geflossen sei, sei ihr Vorgehen als Bestechung im geschäftlichen Verkehr zu bewerten. Bundesweit seien an acht Orten Büro- und Privaträume durchsucht worden: Drei im Großraum Braunschweig, je zwei im Großraum Frankfurt und Stuttgart sowie einmal in Berlin.

Den Anstoß zu den Ermittlungen habe die Telekom selbst gegeben, betonte ein T-Systems-Sprecher. "Wir haben gegen Ende vergangenen Jahres der Staatsanwaltschaft Unterlagen übergeben." Zuvor sei bei einer internen Überprüfung aufgefallen, dass ein Manager gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen habe. Demnach habe es Gespräche zwischen ihm und VW über die Verlängerung eines im Sommer ausgelaufenen Sponsorenvertrags gegeben. "Das ist ein arbeitsrechtlicher Verstoß, den wir geahndet haben", sagte der Sprecher. Im Konzern gebe es eine klare Trennung zwischen Kundenwerbung und Sponsoring.

Der alte Sponsorenvertrag rühre daher, dass T-Systems 2006 von VW die IT-Tochter Gedas übernommen hatte, die Sponsor des VfL gewesen sei. "Ein neuer Vertrag ist definitiv nicht zustande gekommen", betonte der Sprecher. Neben dem früheren T-Systems-Vertriebschef habe auch ein weiterer Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. "Obwohl die Vorgänge intern für uns abgeschlossen sind, haben wir vorsichtshalber die Staatsanwaltschaft eingeschaltet."

VW kündigte an, die vollständige Aufklärung des Sachverhalts zu unterstützen. Dazu werde es auch eigene Untersuchungen durch die Revisionsabteilung des Konzerns geben, sagte ein Unternehmenssprecher in Wolfsburg. Zu den Einzelheiten der Vorwürfe wollte er sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern. Nach den bisherigen Erkenntnissen hätten sich aber weder einzelne Mitarbeiter noch das Unternehmen bereichert, betonte er.

Ein Sprecher des VfL Wolfsburg sagte: "Richtig ist, dass es Ermittlungsmaßnahmen gegeben hat am vergangenen Mittwoch. Dabei haben wir mit den Behörden kooperiert." Einen konkreten Vorwurf gegen den Club gebe es nicht. "Stand jetzt gibt es keinen Anhaltspunkt für ein Vergehen des VfL."