Magdeburg (ko). Die Zuckerrübenanbauer und Nordzucker haben sich Anfang Februar zu den regionalen Winterversammlungen getroffen. Das war Anlass, auf die Kampagne 2010 zurückzublicken, die bis in den Januar hinein geführt wurde. Die Kampagne war außergewöhnlich, so das Fazit: Schwierige Bedingungen herrschten seit Mitte November, nasse Böden, eisige Temperaturen und starke Schneefälle erforderten erhebliche Anstrengungen, um die Rübenanlieferung in die Fabriken nicht zum Erliegen zu bringen.

Die Rübenkampagne konnte witterungsbedingt erst Mitte Januar abgeschlossen werden. "Der Ertrag stimmte noch einigermaßen, aber die Rüben hatten zu wenig Zucker! Im Ergebnis fehlt uns daher rund 10 Prozent vom durchschnittlichen Zuckerertrag und somit auch ein entsprechender Umsatz", bilanzierte Klaus-Henning Kratzenstein, stellvertretender Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverban- des (ZAV) Magdeburg.

In der langen Rübenkampagne sehen viele Rübenanbauer Nachteile. Auch ZAV-Vorsitzender Rainer Knackstedt gibt zu bedenken, dass Klima und Witterung natürliche Grenzen setzen: "Es muss sichergestellt werden, dass die Qualität der Rüben bis zum Ende erhalten bleibt und nicht durch Frost und Wiederauftauen gefährdet wird", forderte er. Gerade vor dem Hintergrund, dass Ackerfläche derzeit für zahlreiche Nutzungen wie Getreide und Raps sehr gefragt sei, "benötigen die Rübenanbauer künftig attraktive Rübenpreise und sichere Lagerungskonzepte, damit genügend Rüben zur Auslastung der Zuckerfabriken angebaut werden", so Knackstedt.

Markus Schröder vom Rübenbüro der Zuckerfabrik Klein Wanzleben (Börde) bezeichnete die abgelaufene Kampagne als durchwachsen. "Die Witterungsbedingungen 2010 führten in der Magdeburger Börde und im Harzvorland mit knapp 10 Tonnen Zucker je Hektar leider nur zu einem unterdurchschnittlichen Ertrag." Schröder unterstrich, dass alle an Ernte, Verladung und Transport beteiligten Personen und Organisationen enorme Anstrengungen unternommen hätten, die Rübenversorgung der Zuckerfabrik insbesondere in den letzten Kampagnewochen sicherzustellen. Sie mussten mit Eis und Schnee, schlecht geräumten Straßen, unpassierbaren Feldwegen und festgefrorenen Abdeckvliesen fertig werden. Enorme Kraftanstrengungen seien nötig gewesen. Allen Beteiligten gebühre großer Dank, betonte Schröder.

Bisher sei die Rübe vielen anderen Feldfrüchten wirtschaftlich deutlich überlegen gewesen, stellte ZAV-Geschäftsführer Cord Linnes fest. Mit dem Anstieg der Preise für andere Feldfrüchte wie Weizen und Raps bekomme der Zuckerrübenanbau jedoch zunehmend Konkurrenz. "Dennoch", so Linnes, "die Zuckerrübe gibt unseren Betrieben Stabilität und Planungssicherheit gerade bei schwankenden Märkten." Es sei notwendig, alle Reserven zu nutzen, um einen möglichst hohen und stabilen Zuckerertrag zu erzielen. "Neue Erntetechniken gewährleisten, dass möglichst viel von der gewachsenen Rübe auch tatsächlich geerntet werde und dies ist unverzichtbar für die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus."

Andreas Windt von der Nordzucker AG zeigte auf, dass es für die Zuckerrübe zurzeit viele gute Verwertungsmöglichkeiten gibt. Neben der Erzeugung von Zucker und Ethanol etabliere sich die Zuckerrübe auch für die Verwendung als Substrat in Biogasanlagen. Dies spiegele sich auch im Preis wider. "Bereits heute steht fest, dass für Überrüben in der Kampagne 2011 gute Preise gezahlt werden", sagte Windt. Nordzucker sehe daher gute Perspektiven für eine Ausdehnung des Rübenanbaus.

Windt betone, dass Nordzucker an einer intensiven Kommunikation mit den Rübenanbauern gelegen sei. Hierzu zähle auch eine intensive Anbauberatung. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit hat Nordzucker das Projekt 20-20-20 aufgelegt. Gemeinsam mit den Rübenanbauern und anderen Partnern wird an dem Ziel gearbeitet, dass die 20 Prozent besten Betriebe 20 Tonnen Zucker je Hektar im Jahr 2020 ernten.

Bei turnusgemäß stattfindenden Wahlen zur Regionalversammlung des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg e.V. wurden die Rübenanbauer Klaus-Henning Kratzenstein, (Großalsleben), Hartwig Kniep (Schlanstedt) und Axel Spengler (Schwaneberg) für weitere drei Jahre in den Vorstand des Verbandes gewählt.