Die TUI-Spitze lässt sich nicht beirren: Aktionärsschelte, Konjunkturschwankungen oder Unruhen in wichtigen Ferienregionen – Vorstandschef Michael Frenzel sitzt trotz aller Turbulenzen fest im Sattel. Doch in Reihen der Eigentümer brodelt es.

Hannover (dpa). TUI-Chef Michael Frenzel bläst aus den Reihen der Eigentümer scharfer Wind ins Gesicht. Auf der Hauptversammlung bei Europas größtem Reisekonzern brannte am Mittwoch teilweise die Luft, Aktionäre waren sehr erbost. "In diesem Unternehmen muss sich etwas grundlegend ändern", sagte ein Fondsmanager. Mehrere Redner forderten den Aufsichtsrat auf, sich um einen personellen Neuanfang an der Spitze des Konzerns im kommenden Jahr zu kümmern. Frenzels Vertrag läuft im März 2012 kurz nach dessen 65. Geburtstag aus.

Auch der Sprecher des zweitgrößten Aktionärs, John Fredriksen, sprach sich gegen eine Vertragsverlängerung aus. Im Gegensatz zu früheren Jahren forderte er zwar nicht mehr den Rücktritt des Vorstandschefs. Es sei aber nicht zu leugnen, dass sich die TUI unter Frenzel nicht optimal entwickelt habe. "Wir sind überzeugt, dass 2012 Zeit für einen Wechsel ist", sagte er.

Das Ergebnis der 17 Jahre Amtszeit Frenzels kritisierten Aktionäre als Wertvernichtung und warfen der TUI-Spitze auch Interessenkonflikte vor. Vier von acht Aufsichtsratsmitgliedern repräsentierten Unternehmen, die umfassende Geschäftsbeziehungen mit TUI unterhielten, wie etwa Hoteliers. "Stoppen Sie die Alleinregentschaft von Herrn Dr. Frenzel", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.

Kürzlich hatte ein Magazin berichtet, dass sich die großen Aktionäre – vor allem die Hoteliersfamilie Riu und der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow – für eine Verlängerung des Vertrags von Frenzel einsetzten. Sie wollen damit angeblich erreichen, dass die anstehenden touristischen Projekte unter einheitlicher Führung vollendet werden.

Offizielle Stellungnahmen gibt es zu dem Thema bisher nicht. Heftige Aktionärsschelte hat auf der TUI-Hauptversammlung allerdings wegen der schwachen Entwicklung der Aktie schon Tradition. Auch die Dividende fällt bereits seit drei Jahren aus. Frenzel versprach aber: "Eines will ich noch erreichen: Ich will noch mit einer klaren Dividendenperspektive vor Sie treten, und zwar mit einer nachhaltigen."

Frenzel sieht gute Perspektiven für eine baldige Trennung von der Reedereitochter Hapag-Lloyd. "Mit dem Ausstieg aus der Schifffahrt bietet sich uns die Chance zum Ausbau wie zur Optimierung der touristischen Strukturen, das wird eine der Hauptaufgaben der nächsten Monate sein", sagte Frenzel. Hapag-Lloyd will der Vorstand möglicherweise noch vor Jahresmitte an die Börse bringen und die Tourimussparte ausbauen.

Mit dem bisherigen Hauptkritiker der TUI-Führung – Fredriksen – ist in Sachen Aufsichtsratsbesetzung inzwischen Frieden geschlossen worden. Der Norweger, dem mindestens 15 Prozent der TUI gehören und der seit drei Jahren vergeblich einen Aufsichtsratsposten anstrebt, gibt sich nun mit einem neutralen Kandidaten zufrieden. "Wir denken, dass es nicht an der Zeit ist, weitere Kämpfe auszutragen", sagte sein Sprecher Tor Olav Troim.

Seine Macht bei TUI vergrößert hat der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow, der kurz vor der Hauptversammlung seinen Anteil auf über 20 Prozent aufgestockt hat. Er will mit der TUI-Spitze gemeinsam den Markt für Pauschalreisen in Russland und Osteuropa erobern, der als sehr vielversprechend gilt. Das Lager Mordaschow erhält einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat. Frenzel sitzt damit fester denn je im Sattel.