Die wirtschaftliche Lage im nördlichen Sachsen-Anhalt hat sich im vierten Quartal des vergangenen Jahres weiter verbessert. "Der konjunkturelle Aufwärtstrend in den strukturbestimmenden Wirtschaftszweigen des IHK-Bezirks hat sich konsequent fortgesetzt", heißt es im jüngsten Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Magdeburg.

Magdeburg. Der von der Industrie- und Handelskammer Magdeburg ermittelte Konjunkturklimaindex hat im Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammer für das vierte Quartal 2010 mit 114 von 200 möglichen Punkten erstmals wieder den Wert von Anfang 2008 erreicht. "Wir liegen damit eindeutig auf Vorkrisenniveau", sagte gestern IHK-Präsident Klaus Olbricht in Magdeburg. "Diese Entwicklung dürfte den strukturellen Aufholprozess nach dem einbruch der Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 weiter beschleunigen – vorausgesetzt, sie bleibt stabil", fügte er hinzu

"Der Aufwärtstrend hat an Breite gewonnen", ergänzte Sven Horn, IHK-Geschäftsführer für die Bereiche Industrie, Umwelt und Konjunktur. Die von der IHK vertretenen Wirtschaftsunternehmen zwischen Altmark und Harz befänden sich in einer Aufholphase, in der Einbußen infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam wieder wettgemacht würden.

Nach Ansicht von IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang März haben sich nicht wenige Firmen in den vergangenen Monaten neu aufgestellt und stünden jetzt teils besser da als vor der Krise.

Der positive Wirtschaftstrend habe seine Ursache vor allem in den insgesamt guten bis sehr guten Lagebewertungen der Unternehmen, erläuterte der IHK-Präsident. So sei etwa der rückläufige Trend bei den Auftragseingängen der Industrie gestoppt, insbesondere die Auslandsaufträge hätten "deutlich angezogen".

"Dieses Auftragsplus wird zum überwiegenden Teil bei den Investitions- und den Konsumgüterherstellern generiert", sagte Olbricht: "Das ist ein Zeichen dafür, dass der Aufschwung in der Industrie an Stabilität und Breite gewonnen hat." Zudem habe die Investitionsbereitschaft über alle Branchen weiter zugenommen. Auch die Beschäftigungspläne befänden sich wieder im positiven Bereich.

Laut der Konjunkturumfrage profitieren insbesondere die unternehmensnahen Dienstleister von der verbesserten Industriekonjunktur. Sie würden eine "tragende Säule des Aufschwungs" bilden. Mehr als die Hälfte dieser Unternehmen schätzen derzeit ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut ein.

Verschlechtert hat sich allerdings die Lage am Bau. Dort gingen die Aufträge zurück. Ein Grund dafür sei der frühe Wintereinbruch, sagte Olbricht. Der Tiefbau sei von dem Auftragsrückgang stärker betroffen als der Hochbau.

Aufgehellt habe sich die Stimmungslage im einheimischen Verkehrsgewerbe. Die Ertragslage habe sich im vierten Quartal 2010 erneut verbessert. Das Kreditvergabevolumen der regionalen Banken sei sowohl im Privat- als auch im Geschäftskundenbereich nahezu unverändert geblieben.

Die IHK befragt seit 1991 vierteljährlich einen Teil ihrer derzeit 52 000 Mitglieder zu Lagebewertung und Geschäftserwartung. Rund 1000 Unternehmen werden dazu repräsentativ nach Branche und Größe ausgewählt, von denen etwa die Hälfte an der Umfrage teilnimmt.

Im Zusammenhang mit den anstehenden Landtagswahlen am 20. März stellte der IHK-Präsident der derzeitigen CDU/SPD-geführten Landesregierung ein gutes Zeugnis aus. "Die positive wirtschaftliche Entwicklung im Land zeigt, dass dort gute Arbeit gemacht wird", sagte Olbricht. "Wir hoffen, dass die Entwicklung kontinuierlich weitergeht." Olbricht hob die "konstruktive Zusammenarbeit" mit Ministerien wie dem der Wirtschaft oder dem Bau- und Verkehrsressort hervor. Insbesondere lobte der IHK-präsident die Spitze des Kultusministeriums. Mit dem Haus habe es noch nie ein so gutes Verhältnis gegeben wie jetzt. Meinung

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