Washington/Torrance (dpa). Die Ahnung hat sich bewahrheitet: Nicht technische Defekte waren der Auslöser für eine Reihe schwerer Unfälle mit Autos von Toyota in den USA. Es waren fast ausnahmslos Fehler der amerikanischen Autofahrer.

Für Toyota war es ein Tag zum Feiern, für US-Verkehrsminister Ray LaHood war es eine bittere Niederlage: Der Mann, der seine Landsleute vor einem Jahr öffentlich dazu aufgerufen hatte, ihre Toyota-Autos stehen zu lassen, weil diese angeblich von selbst beschleunigten, musste sichtlich zerknirscht vor laufenden Fernsehkameras einräumen: "Wir glauben, dass Toyotas fahrsicher sind."

Was führte zu dem radikalen Sinneswandel? Zehn Monate lang hatten seine eigenen Leute mit Unterstützung von Elektronikexperten der Raumfahrtbehörde NASA untersucht, ob und warum sich Autos von Toyota und der noblen Schwestermarke Lexus vermeintlich zu Tausenden von selbst in Gang setzten. Das Fazit: Ja, es gab derartige Fälle. Aber nein, es war kein Massenphänomen.

Von 2000 bis 2010 waren bei der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA insgesamt 3054 Beschwerden eingegangen, in denen darüber berichtet wurde, dass Toyota- und Lexus-Autos sich nicht mehr stoppen ließen. Die Zahl sprang sprunghaft hoch, als der japanische Hersteller selbst einräumte, dass das Gaspedal sich verklemmen kann, und den größten Rückruf der Firmengeschichte mit rund acht Millionen betroffenen Wagen startete.

Die meisten der gemeldeten Vorfälle liefen glimpflich ab, 75-mal kam es aber auch zu nachweislich schweren Unfällen, bei denen 93 Menschen starben. Nicht jede Beschwerde müsse aber bedeuten, dass tatsächlich der Hersteller die Schuld trage, betonte die Verkehrssicherheitsbehörde in ihrem aktuellen Bericht. Sie hat lediglich zwei schwere Unfälle mit Konstruktionsmängeln an Toyota-Fahrzeugen in Verbindung bringen können. Dabei starben fünf Menschen. "Es gibt Sicherheitseinrichtungen, die ein ungewolltes Beschleunigen verhindern", sagte NASA-Chefingenieur Michael Kirsch bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse. Nach seinen Erkenntnissen waren es vielmehr Fahrfehler, die zu den schweren Unfällen führten. Am Ende machten die Fahrer oder ihre Hinterbliebenen dann Toyota verantwortlich, teils erst Jahre nach dem Unfall, als der Rückruf durch die Presse ging.

"In vielen Fällen suchten sie nach Erklärungen, warum der Unfall passiert ist", schreibt die Verkehrssicherheitsbehörde in ihrem Bericht. Die meisten Vorwürfe seien jedoch haltlos. Bei zwölf schweren Unfällen gehe die Polizei davon aus, dass Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen seien. Elfmal soll der Fahrer wegen körperlicher Beschwerden den Unfall verursacht haben. Und in vier Fällen vermutet die Behörde, dass die Wagenlenker schlicht das Gas- mit dem Bremspedal verwechselt haben.

Toyota triumphiert, aber nicht zu laut, denn es gab ja Tote. Am bekanntesten ist das tragische Schicksal des Polizisten Mark Saylor und seiner Familie. Als die Fußmatte das Gaspedal ihrer Lexus-Limousine blockierte und der Wagen mit mehr als 160 Stundenkilometern von der Fahrbahn abkam, starben der 45-Jährige, seine Frau Cleofe (45), seine Tochter Mahala (13) und Schwager Chris Lastrella (38). Ein Mitschnitt des Handynotrufs hielt das schreckliche Geschehen fest.

Konzernchef Akio Toyoda persönlich hat sich bei den Hinterbliebenen entschuldigt. "Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, dass sich solch eine Tragödie niemals wiederholt", versprach Toyoda in aller Öffentlichkeit vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses, der ihn herzitiert hatte. Die US-Politiker haben sich bei Toyoda bislang noch nicht entschuldigt für ihre Hexenjagd.