Berlin (dpa). Bundesbank-Präsident Axel Weber will zum 30. April 2011 aus dem Amt scheiden – ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit. Der 53-Jährige ist seit 2004 Chef der Bundesbank. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hätten diese Entscheidung "mit Respekt für Professor Webers persönliche Gründe zur Kenntnis genommen", erklärte gestern Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Der Aufstieg auf den währungspolitischen Olymp als Präsident der Europäischen Zentralbank ist Weber versagt geblieben. Als währungspolitischer Hardliner an der Spitze der Bundesbank hatte er sich bei Bundesregierung, deutscher Bevölkerung und im EZB-Rat zunächst Respekt und Ansehen erworben. Doch als es in der Griechenlandkrise um das Währungssystem als Ganzes ging, konnte er keine Lösungen anbieten.

Seine Kritik an der von Franzosen und Deutschen betriebenen Aufweichung des Stabilitätspaktes teilten noch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und viele andere Währungsexperten. Doch Webers Kampf gegen den massenhaften Aufkauf von Anleihen kränkelnder Euro-Staaten wurde immer einsamer. Nichtstun hätte möglicherweise den Euro gekippt, Ökonomen halten Weber in dieser Frage politisches Versagen vor. Mangelndes diplomatisches Geschick und seine entschiedene Opposition gegen gemeinsame Euro-Anleihen machten ihn zum Albtraum-Kandidaten der Franzosen für den EZB-Chefsessel.

Nun wird für den Volkswirtschaftsprofessor immer wieder ein Chefposten bei der Deutschen Bank ins Spiel gebracht, in Art Doppelspitze mit dem indisch-stämmigen Investmentbanker Anshu Jain als Nachfolger von Josef Ackermann, der seinen Posten spätestens 2013 räumt.