In Sachsen-Anhalt haben 4200 landwirtschaftliche Betriebe Daten für die Landwirtschaftszählung 2010 abgeliefert. In der gesamten Europäischen Union ist die Befragung weitgehend harmonisiert durchgeführt worden. Erste Ergebnisse für Sachsen-Anhalt wurden gestern in Magdeburg vorgestellt.

Magdeburg. "Das Gros des Strukturwandels liegt hinter uns", stellte gestern Agrar- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) fest, als er gemeinsam mit dem Präsidenten des Statistischen Landesamtes Manfred Scherschinski die Datensammlung präsentierte. Die Landwirtschaft zeige sich stabil.

Zum ersten Mal seit 1999 hat wieder eine umfassende Landwirtschaftszählung stattgefunden. Da aber zur Entlastung kleinerer Betriebe neue Erfassungsgrenzen eingeführt wurden, sind nicht alle Positionen vergleichbar. Die Statistiker zogen deshalb auch Zahlen aus den Erhebungen auf Stichprobenbasis aus den Jahren 2003 und 2007 zu Rate.

Demnach ist die Zahl der Betriebe mit 5 bis 50 Hektar Fläche seit 2007 konstant geblieben, aber diese Betriebe bewirtschaften nun rund zwei Prozent mehr Fläche. Auch die Zahl der Betriebe mit mehr als 200 Hektar blieb konstant, deren Flächenzuwachs liegt bei einem Prozent. Einen Schwund um 10 Prozent stellten die Statistiker in der mittleren Gruppe mit 50 bis 200 Hektar fest. Die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche ging um 5 Prozent zurück.

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind überdurchschnittlich groß. In Sachsen-Anhalt bewirtschaften 35,7 Prozent der Betriebe 200 Hektar und mehr. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 3,6 Prozent. 11,9 Prozent der Agrarunternehmen in Sachsen-Anhalt beackern 100 bis 200 Hektar, im Bundesdurchschnitt sind es nur 7,6 Prozent.

"In der EU gibt es keine Region mit solch einer Ballung großer Betriebe wie in Ostdeutschland", sagte Aeikens. Bei der Neuverteilung der Mittel aus dem EU-Agrartopf könnte das ein erheblicher Nachteil sein. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos wolle Kappungsgrenzen bei der Zahlung der Direktbeihilfen einführen. Die Höhe sei aber noch nicht genannt worden, so Aeikens.

"Wir müssen verhindern, dass die neuen Bundesländer die Sparschweine Europas werden", sagte er. Derzeit fließen jährlich 300 Millionen Euro Direktbeihilfen (rund 300 Euro pro Hektar) Beihilfen nach Sachsen-Anhalt. Nach Aeikens Auffassung wäre die Kappung der Beihilfen ab einer bestimmten Betriebsgröße eine Abkehr von der Zielrichtung, mit den Beihilfen Leistungen zum Erhalt der Kulturlandschaft zu honorieren, die der Markt nicht entlohnt. Es wäre der "Einstieg in eine Sozialpolitik", so der Minister.

Positiv sieht Aeikens die Entwicklung des Ökolandbaus, dieser habe sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 1999 seien 22 000 Hektar nach den Richtlinien des Ökolandbaus bewirtschaftet worden, im vergangenen Jahr waren es 49 300 Hektar. "Ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr über 50 000 Hektar werden."

Für Statistikamtschef Scherschinski gibt es da aber noch Luft nach oben: In Sachsen-Anhalt werde auf 4,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologischer Landbau betrieben, im Bundesdurchschnitt auf 5,8 Prozent.

Insgesamt wurde im vergangenen Jahr eine knappe Million Hektar Acker bestellt. Davon wuchs auf knapp 580 000 Hektar Getreide. Die wichtigste Feldfrucht war Weizen mit 355 300 Hektar.

Den Schweinebestand in Sachsen-Anhalt wiesen die Statistiker mit 1,09 Millionen Tieren aus (Deutschland: 27,28 Mio.), der Rinderbestand liegt bei 337 700 Tieren (Deutschland: 12,64 Mio.), 2007 waren 1,002 Millionen Schweine und 334 200 Rinder gezählt worden. In Sachsen-Anhalt gebe es mehr Freilandhaltung als im Bundesdurchschnitt, mehr Laufställe mit Festmist und weniger Tiere in Anbindehaltung. "Die Tiere leben hier besser", so das Fazit des Landwirtschaftsministers.