Kapstadt (dpa). Südafrika nennt sich in Werbeprospekten gerne "Schatztruhe der Welt". Tatsächlich haben die üppigen Bodenschätze an Gold, Platin oder Diamanten die Blüte des einzigen afrikanischen Industriestaates und Mitglieds der G-20-Staaten begründet. In den vergangenen zwei Jahren trugen steigende Rohstoffpreise dazu bei, Südafrikas Exporte anzukurbeln und die Währung Rand zu stärken.

Präsident Jacob Zuma schwärmt, dass die Edelmetalle im Boden Südafrikas 2,5 Billionen Dollar (1,9 Billionen Euro) wert seien. Im Bergbau-Sektor sind 860 000 Menschen beschäftigt. Aber seit Jahren wird kaum noch in Minen investiert, die immerhin für 30 Prozent aller Exporterlöse sorgen. Eine Verstaatlichungsdebatte, immer strengere Arbeitsgesetze und andere Reglementierungen für die Industrie sowie Infrastrukturprobleme verunsichern Investoren weltweit.

"Südafrika, einst das Zentrum der Minenindustrie weltweit, ist nun (in der Branche) so etwas wie ein Pariah (Geächteter) geworden - und es ist unsere eigene Schuld", kommentierte bitter die "Sunday Times". Bürokratische Eingriffe, politisch motivierte Lizenzvergaben und die drohende Zunahme staatlichen Einflusses in der Minenindustrie haben nach Ansicht des Ökonomen Gavin Keeton (Rhodes Universität) dazu geführt, dass ungeachtet des Rohstoffbooms "Südafrika bei Investitionen weit hinter Chile und Australien liegt". Selbst in Angola oder Mosambik wird mehr in Minen investiert als in Südafrika.

Der Plan der Zuma-Regierung, eine staatliche Minengesellschaft zu etablieren, würde die Branche nach Einschätzung des Wirtschaftsberaters von Minenkonzernen weiter schwächen - und "negative Konsequenzen für ein langfristiges Wirtschaftswachstum" haben. Denn letztendlich würden sich private Investoren zurückziehen, wenn es "kein Fair play" mehr gebe, also der Staat Lizenzen und Kredite nach politischem Gutdünken verteile.

Zwar gehören Südafrikas Bergbauunternehmen wie De Beers (Diamanten) oder Anglo Ashanti (Gold) nach wie vor zu den globalen Marktführern. Am Kap befinden sich nach einem Papier der Regierung schließlich noch immer "schier unerschöpfliche Bodenschätze". Nirgendwo in der Welt gibt es mehr Platin, Mangan oder Chrom als hier. Allerdings hat Südafrika längst seine Spitzenposition als Goldförderer an China abgeben müssen, auch die USA und Australien haben das Land bei der Goldförderung überholt.

"Die größte Sorge ist Unsicherheit", schrieb die "Times". Die politische Debatte in Pretoria habe dazu geführt, dass Südafrika zu einem "No-go-Gebiet für Zukunftsinvestitionen in der Minenindustrie geworden ist". Dazu beigetragen hat die Politik des "Black Economic Empowerment", einer Quotenregelung, die Schwarzen Arbeitsplätze, Führungspositionen und Firmenanteile bescheren soll. Die Politik greift immer stärker in die Privatwirtschaft ein. Hinzu kommen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Energieversorgung.