Seit den Rekordmessen vor zehn Jahren hat die CeBIT in Hannover merklich an Strahlkraft verloren. Mit einem neuen Konzept wollen die Veranstalter die Krise hinter sich lassen. Das Zugpferd: Der Trend zum Cloud Computing, der "IT-Wolke" im Internet.

Von Andrej Sokolow

Hannover (dpa). Die CeBIT will mit dem Leitthema Cloud Computing wieder als wichtigste IT-Messe der Welt wahrgenommen werden. Ab morgen sollen wieder mehr als 300 000 Besucher auf das Messegelände in Hannover kommen. Heute gibt es die ersten Pressetermine, unter anderem vom Software-Riesen Microsoft und dem IT-Branchenverband BITKOM, sowie die offizielle Eröffnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Ministerpräsidenten des diesjährigen Partnerlandes Türkei, Recep Tayyip Erdogan.

Die Messe hat durchwachsene Jahre hinter sich. Über 4200 Unternehmen sind diesmal zur CeBIT angemeldet - gut 50 mehr als 2010. Im Krisenjahr 2009 war die Ausstellerzahl um ein Viertel auf 4300 eingebrochen.

Eine zentrale Rolle spielt diesmal das sogenannte Cloud Computing, bei dem Software und Daten aus der "IT-Wolke" im Internet abgerufen werden. Als Verbraucher kommt man damit zum Beispiel in Berührung, wenn man ein Webmail-Postfach nutzt. Das Prinzip gibt es schon seit Jahren, Unternehmen wie Google oder der Unternehmenssoftware-Spezialist Salesforce.com setzen konsequent darauf. Seit einiger Zeit will aber auch der große CeBIT-Aussteller Microsoft mit ganzer Kraft in die "Wolke". Der Deutschlandchef des Windows-Riesen, Ralph Haupter, will auf der Messe-Pressekonferenz heute 12 Cloud-Thesen vorstellen.

Die CeBIT soll in diesem Jahr mit der Aufteilung in vier Bereiche klarer strukturiert werden. Die Sparten dafür heißen "Pro" (Geschäftskunden), "Gov" (öffentliche Hand), "Lab" (Forschung) und "Life" (Privatnutzer). Die Veranstalter zeigen sich zuversichtlich, dass vom 1. bis zum 5. März nicht nur Fachleute aus Forschung und Industrie, sondern wieder auch mehr Verbraucher die Messe besuchen. 2010 war die Besucherzahl drastisch von knapp 400 000 auf 334 000 zurückgegangen. Die Messe war im Vergleich zu 2009 allerdings um einen Tag verkürzt worden. Auch diesmal läuft sie fünf Tage bis Sonnabend.

Vor einigen Jahren hatten sich große Aussteller noch dafür eingesetzt, die CeBIT stärker "als Business-Messe zu profilieren" und die Besucherströme auszudünnen. Jetzt soll die Messe dagegen wieder mehr Verbraucher anlocken. Der Präsident des Mitveranstalters BITKOM, August-Wilhelm Scheer, argumentierte, inzwischen wollten die CeBIT-Aussteller auch selbst immer mehr direkt die Verbraucher ansprechen. "Es wäre schlimm, wenn man stur an Althergebrachtem festhielte und nicht mitkriegte, dass sich das Umfeld geändert hat."

Den Erfolg einer CeBIT müsse man auch nicht an der Zahl der Aussteller oder Besucher messen, sondern an den Aufträgen, die bei der Messe erzielt werden, sagte Scheer. Auch die Beteiligung der Politik mache den besonderen Reiz aus: "Die CeBIT ist das Davos der IT-Branche", bekräftigte der BITKOM-Präsident.

In den vergangenen Jahren hatten der CeBIT konkurrierende Hightech-Messen zugesetzt, wie der Mobile World Congress in Barcelona im Mobilfunkbereich und die Funkausstellung IFA in Berlin bei Verbraucherelektronik. Große Aussteller wie Nokia oder Panasonic zogen aus Hannover ab. Messechef Frank Pörschmann freut sich deswegen über einige Rückkehrer wie etwa die Druck-Spezialisten Brother, Epson und Xerox. Auch Mobilfunk-Schwergewichte wie Telefónica und Motorola seien diesmal mit im Boot. "Die großen Namen sind zurück", verkündete der CeBIT-Chef. Auch IBM-Chef Sam Palmisano reist am Montag zur Eröffnung nach Hannover.