Magdeburg. Von der Förderschule in die Werkstatt - das ist für viele Menschen mit Behinderungen der vorgezeichnete Weg. Für Eva-Maria Sußmann aus Magdeburg stand nach einem "Ausflug in die Werkstätten" in der 10. Klasse aber fest: "Da will ich nicht hin, da sind nur Behinderte."

Sie wollte auf keine "Insel", sondern wünschte sich Integration in die Gesellschaft. Am Dienstag konnte sie ihren Arbeitsvertrag unterschreiben. Nach einem erfolgreichen Praktikum bei einem Familienunternehmen mit Büroservice, Hausverwaltung und 50 Hühnern wurde sie nun eingestellt, um verschiedene Helfertätigkeiten auszuführen.

Sußmann hat das Glück, dass es seit 2009 ein Programm zur beruflichen Rehabilitation inklusive der unterstützten Beschäftigung gibt, und dass ihre Eltern gemeinsam mit ihr dafür gekämpft haben, dass sie die Förderung bekommt. Die Schule habe jedenfalls nicht darüber aufgeklärt, dass es Alternativen zur Werkstatt gibt, berichten die Eltern.

Der Bund hat ein Jahresbudget von 2,6 Milliarden Euro zur Förderung dieses Klientels eingestellt. Sachsen-Anhalt bekommt davon 102 Millionen Euro. Nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit wurden 2009 insgesamt 66 Frauen und Männer in die Maßnahmen zur unterstützten Beschäftigung aufgenommen. Insgesamt wurden 3745 Betroffene auf verschiedenen Wegen gefördert. Fast jeder Zweite schaffte es nach der beruflichen Reha innerhalb von sechs Monaten in den ersten Arbeitsmarkt.

Firmen dafür zu gewinnen, ist aber nicht so einfach, wie Monika Schmidt und Dagmar Albert vom Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt (BWSA) berichten: "Die Unternehmen rennen uns nicht gerade die Bude ein", sagt Schmidt. Da sei viel Überzeugungsarbeit nötig. Die Tätigkeiten müssten oft für den Einzelfall geschneidert werden.

So war es auch bei Eva-Maria Sußmann. Seit 2009 hat die junge Frau sich in verschiedenen Praktika ausprobieren dürfen, bis endlich das Richtige gefunden wurde. In einer Cafeteria hat sie Spülmaschinen bestückt, dann reinigte sie bei einer Firma Treppen. Sie wollte mit den anderen mithalten und hat sich dabei selbst überfordert, berichten die Bildungswerker. In einer Reitschule sei dann klar geworden, dass die junge Frau etwas braucht, wo sie ihre Aufgaben in Ruhe erledigen und sich die Zeit selbst einteilen kann. Eine Einstellung sei leider aber nicht möglich gewesen. Beim Paritätischen sei Frau Sußmann dann wiederum mit unerwartet wechselnden Aufgaben konfrontiert und über- fordert worden.

Dort, wo sie nun arbeitet, passt es. Eva-Maria-Sußmann reinigt das Grundstück des Familienbetriebes, aber sie sucht auch die Eier der 50 Hühner ab, säubert sie und packt sie ein. Sie freut sich über ihren Job.

2009 haben nach Information der Arbeitsagentur 798 Menschen eine rehatypische Berufsvorbereitung aufgenommen, spezielle Ausbildungsförderung genossen 1039 Betroffene. 412 Leute begannen eine rehatypische berufliche Weiterbildung, 400 nahmen an einer Eignungsabklärung und Berufsfindung teil, 42 bekamen einen Ausbildungszuschuss, 466 testeten Fähigkeiten und Belastbarkeit bei Probebeschäftigungen und 522 nahmen eine Beschäftigung in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen auf. 5355 Menschen mit Behinderungen sind derzeit arbeitslos.