Die deutschen Ölkonzerne haben angesichts des Käuferstreiks der Autofahrer die Herstellung des neuen Kraftstoffs E10 zurückgefahren. E10 wird bisher in den ostdeutschen und süddeutschen Raffinerien produziert.

Hamburg (dapd). "Wir haben die Produktion gesenkt", sagte Tobias Wolny vom Marktführer Aral. Beim Konkurrenten Esso erklärte Sprecherin Gabriele Radke: "Wir müssen die Produktion anpassen, wenn die Nachfrage nicht da ist."

Bei Aral tanken nur etwa 40 Prozent der Benzin-Kunden Super E10. Vor der Umstellung auf den Sprit mit höherem Bio-Anteil waren es 90 Prozent, die das klassische Super wählten. Die übrigen 10 Prozent der Kunden nahmen teures Superplus, jetzt sind es 50 bis 60 Prozent. Beim Konkurrenten Shell ist Superplus an manchen Tankstellen im Großraum Berlin schon ausverkauft. "Wir laufen an manchen Stationen leer", sagte Sprecherin Cornelia Wolber.

Die Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt hat "die Produktion von E10 drastisch reduziert", wie Sprecherin Vica Faynor sagte. Aus Schwedt hatte vor wenigen Wochen die Umstellung der Tankstellen auf E10 begonnen.

Auch andere große Raffinerien wie Miro in Karlsruhe oder Bayernoil liegen bei der E10-Produktion weit unter den ursprünglichen Plänen. "Wir produzieren auf Sicht", sagte Geschäftsführer Michael Raue von Bayernoil.

E10 wird bisher in den ostdeutschen und süddeutschen Raffinerien produziert und in diesen Regionen auch schon verkauft. Die Umstellung der Raffinerien in West- und Norddeutschland hat die Ölindustrie verschoben.

Falls die Autofahrer weiter E10 boykottieren, droht der Ölbranche, aber auch vielen Verbrauchern Ärger. "Wenn sich das Nachfrageverhalten nicht ändert, bekommen wir Versorgungsprobleme", sagte Wolny von Aral. Zurzeit gibt es wegen des weltweiten Booms und des kalten Winters eine enorme Nachfrage nach Diesel und Heizöl. Wenn aber eine Raffinerie die Benzin-Produktion zurückfährt, wird sie früher oder später auch weniger Diesel und Heizöl ausspucken. Denn aus Rohöl kann nur eine bestimmte Menge Benzin und Diesel gewonnen werden, zwischen den Produkten sind kaum Verschiebungen möglich.

Schon jetzt aber ist der Heizölpreis mit rund 87 Cent pro Liter nach dem kalten Februar in Deutschland auf dem höchsten Stand seit September 2008.