Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will mit der Deutschen Bahn verhandeln und sie vorerst nicht bestreiken. Für Reisende ist die Gefahr von Zugausfällen und Verspätungen dennoch nicht vom Tisch: Die Konkurrenz-Bahnen geraten verschärft ins Visier.

Berlin (dpa). Millionen Pendler und ICE-Reisende in den Zügen der Deutschen Bahn (DB) können zumindest vorerst aufatmen. Nach sechs zähen Wochen voller gegenseitiger Vorwürfe will sich die Gewerkschaft GDL wieder mit dem bundeseigenen Konzern an einen Tisch setzen. Die blockierten Gespräche über einheitliche Tarifstandards für rund 26 000 Lokführer der ganzen Bahnbranche soll das wieder in Gang bringen. Doch die Lösungssuche bleibt schwierig. Denn mit sechs großen DB-Wettbewerbern im Regionalverkehr gibt es vorerst keine Verhandlungen. Die GDL droht nun mit gezielten Arbeitskampf-Attacken.

Baldige Streiks bei den Konkurrenzbahnen lägen "im Bereich des Wahrscheinlichen", verkündete GDL-Chef Claus Weselsky in Frankfurt. Von Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn will die Gewerkschaft die "uneingeschränkte Bereitschaft" zu Verhandlungen über einen bundesweiten Rahmentarifvertrag. Sei dies "in den nächsten Tagen" nicht ernsthaft zu erkennen, seien weitere Arbeitskämpfe programmiert. Ihre Streiktaktik, die auch auf Wirkung in der Öffentlichkeit setzt, müssten die Lokführer dafür ändern.

Die vier bisherigen Streikwellen hatten vor allem den Marktführer DB gebremst: In Ballungsräumen standen S-Bahnen still, an großen Knotenbahnhöfen mussten Fern- und Regionalreisende warten. Dagegen waren die buntlackierten Wagen der Konkurrenten vergleichsweise wenig betroffen, zu denen regionale Anbieter wie die Nord-Ostsee-Bahn, Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) oder Westfalenbahn gehören. Die Ausgangslage ist aber vertrackt: Ihre Verhandlungsgemeinschaft für Gespräche über einen Rahmentarifvertrag haben die Sechs vorerst aufgekündigt.

Erforderlich wären daher Gespräche über Haustarife mit 25 Einzelgesellschaften. Hintergrund ist, dass die Unternehmen einen "Alleinvertretungsanspruch" der GDL für alle Lokführer in Abgrenzung zur größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft nicht akzeptieren wollen. Denn mit der EVG, die 5000 Lokführer organisiert, haben sie schon einen Branchentarifvertrag für den Nahverkehr besiegelt. Weniger kompliziert ist die Situation zwischen GDL und DB, bei der sich die Lokführer in einem monatelangen Krimi 2007/08 schon eine eigenständige Verhandlungsmacht erkämpft hatten.

Seit Wochen verweist Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wieder und wieder darauf, dass er zentrale Forderungen der GDL doch bereits erfülle. Schließlich ist es das große Ziel der Gewerkschaft, einheitliche Einkommen auf dem DB-Niveau für alle Lokführer durchzusetzen. Bewegen müssen sich also vor allem die Konkurrenten, die teils bis zu 30 Prozent weniger zahlen.