Der Spatenstich war mehr ein Baggeraushub und symbolisch für das, was auf der grünen Wiese bei Aschersleben entsteht: Das Unternehmen Pioneer Medical Devices errichtet in der ältesten Stadt des Landes Sachsen-Anhalt des europaweit größte und modernste Produktions- und Aufbereitungszentrum für Medizinprodukte. Kostenpunkt: rund fünf Millionen Euro.

Aschersleben. Als die Gäste der Spatenstich-Veranstaltung gestern vom "Silicon Valley für Medizinprodukte" in Aschersleben (Salzlandkreis) sprachen, fühlte sich Vorstand Robert Schrödel schon ein wenig geschmeichelt. Wenngleich der Vergleich ein wenig hinkt, muss sich das Unternehmen, das auf der grünen Wiese bei Aschersleben fünf Millionen Euro investiert, nicht verstecken. Bis zum Jahr 2012 wird auf einer Gesamtfläche von 2000 Quadratmetern das neue Produktions- und Aufbereitungszentrum für komplexe Medizinprodukte errichtet. "Wir werden damit den bestehenden Standort der AscaMed GmbH erweitern und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen", erklärte Unternehmensgründer Robert Schrödel.

Mit dem, was Schrödel mit dem Unternehmen am High-Tech-Standort Aschersleben in Sachsen-Anhalt plant, will er einen Bereich der Medizintechnik revolutionieren: Elektrophysiologische Herzkatheter werden zukünftig nicht mehr als Einweg-Produkte verwendet, sondern in dem Unternehmen hergestellt und nach der Nutzung in Krankenhäusern Deutschlands und Europas wieder aufbereitet. "Das ist technisch bis zu 20-mal möglich", sagte Robert Schrödel im Gespräch mit der Volksstimme. Seinen Aussagen nach reduzieren sich die Kosten pro operativem Eingriff um rund 50 Prozent.

"Intelligente und innovative Lösungen in technologischer Hinsicht sind nötig, um wirtschaftlicher und kosteneffizienter zu arbeiten", betonte Bernhard Motzkus, ehemaliger Leitender Klinik-Verwaltungsdirektor der Berliner Charité, gestern in Aschersleben. Die Wiederaufbereitung kosten- und materialintensiver Medizinprodukte gewinnt angesichts der globalen Ver- knappung ökologischer und ökonomischer Ressourcen zunehmend an Bedeutung.

Am Standort in Aschersleben werden künftig 55 Mitarbeiter die Produktion und Aufbereitung der wiederver- wendbaren Herzkatheter übernehmen. Der gesamte Zyklus von der Abholung aus dem Krankenhaus bis zur Wiederverwendung wird je nach Modell rund sieben bis 14 Tage betragen. Zum Service der Firma gehört auch die logistische Versorgung der Kliniken mit Herzkathetern und anderen medizinischen Produkten. Schon jetzt gibt es eine Reihe Krankenhäuser in Deutschland und Europa, die sich für das System stark interessieren.

Das freute gestern auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). "Durch die Erweiterungsinvestition der Pioneer Medical Devices AG entstehen nicht nur neue Arbeitsplätze in der Region Aschersleben, sondern auch die Industrie in Sachsen-Anhalt wird insgesamt weiter gestärkt."