Der AMU Verband selbständiger Frauen in Sachsen-Anhalt wird am 6. Mai Sachsen-Anhalts Unternehmerin 2011 auszeichnen. Die Volksstimme stellt erfolgreiche Geschäftsfrauen vor, heute die Unternehmerin des Jahres 2005 Ingrid Weinhold. Sie ist Inhaberin der MABA Spezialmaschinen GmbH Wolfen und einzige Frau im Vorstand des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Ost.

Von Bettina Koch

Wolfen. "Ein Warenhausunternehmen finanzieren wir nicht." Mit diesen Worten haben drei Banken Ingrid Weinhold zwei Tage vor Weihnachten 1991 abblitzen lassen, obwohl sie die Firmenfinanzierung bereits zugesagt hatten. Weinhold wollte gerade mit MABA Spezialmaschinen in zwei Gebäuden der Zentralwerkstatt der Filmfabrik Wolfen durchstarten. Losgelegt hat sie trotzdem: mit privat verhafteten Krediten, 16 Mitarbeitern sowie Mitgesellschaftern, die sie inzwischen alle ausgezahlt hat.

"Die Banken waren bald wieder da", erzählt die studierte Betriebswirtschaftlerin mit Spezialisierung auf Verfahrenstechnik. Was die Kapitalgeber zunächst verschreckt hatte - eine Firma, die sich mit Kundschaft und Profil breit aufstellt - hat sich bewährt, auch in der Krise. "Innerhalb von zwei Wochen sind uns 30 Prozent vom Umsatz weggebrochen", erinnert Weinhold an den Beginn der Turbulenzen. Um Kurzarbeit kam das Unternehmen nicht herum. Die Kosten mussten runter. Alles, was nicht unbedingt notwendig war, wurde nicht gekauft, das Lager wurde nicht aufgefüllt.

Stammpersonal zu entlassen, stand nicht zur Diskussion, berichtet die Unternehmerin. "Die Mitarbeiter wurden hier kontinuierlich weitergebildet für die hier zu bewältigenden Aufgaben. Auf solche Leute verzichtet man nicht", sagt sie. Als sich die Auftragsbücher wieder füllten, musste die Arbeit vorfinanziert werden, wieder mit privaten Krediten.

Einiges ist jetzt anders. Neben der Fertigung von Einzelteilen, Baugruppen und Kleinanlagen für verschiedenste Zwecke und insgesamt 300 Kunden wird jetzt mehr Service geleistet: "Viele Unternehmen wollen ihre bestehenden Anlagen produktiver gestalten. Das bedeutet für unsere Konstrukteure, dass sie häufiger unterwegs sind, um in den Werkhallen der Kunden diese Aufgaben zu lösen", erzählt die Chefin. Das Verständnis der Mitarbeiter sei da. "Es ist ein Geben und Nehmen." Bei MABA sei immer schon projektbezogen und mit flexiblen Arbeitszeitkonten gearbeitet worden.

Fünf Millionen Euro hat Ingrid Weinhold bisher insgesamt in das Unternehmen mit den zwei Standbeinen Investitionsgüterindustrie und Beschichtungstechnologie investiert. Die Mitarbeiterzahl ist bei 50 (inklusive Lehrlinge) stabil. Expansion kommt nicht infrage. "Sonst wird die Familie zu groß", erklärt sie, "ich arbeite mit Mitarbeitern, nicht mit Zahlen von Mitarbeitern." Das soll so bleiben. Deshalb hat sich die Unternehmerin, die bis 2008 im Export tüchtig unterwegs gewesen ist, auf Deutschland konzentriert.

Bei solchen und anderen strategischen Weichenstellungen entscheidet nicht nur der Kopf allein. "Das Bauchgefühl ist für mich wichtig." Grummeln setzt ein Stoppsignal.

Ansonsten lautet Weinholds Maxime: "Es gibt keine Probleme, es gibt nur Aufgaben zu lösen." Damit ihr dazu keine Idee entgeht, liegen Zettel auf dem Nachtschrank. "Was mir nachts einfällt, schreibe ich sofort auf", sagt sie. Danach könne sie wieder ruhig schlafen. Auch das bewusste Abschalten sei wichtig: das Wochenende mit Familie und zum Kopfdurchlüften die Motorradtour.