Auf Sachsen-Anhalts Feldern ist die Winterruhe vorbei. Steigende Temperaturen bringen den Stoffwechsel der Winterkulturen in Schwung. Nährstoffgaben und Pflanzenschutz sind jetzt notwendig. Auf Flächen, die lange Zeit vernässt waren, werden die Schäden jetzt deutlich sichtbar.

Magdeburg. Überall im Land werden jetzt Felder für die Aussaat vorbereitet und die im Herbst bestellten Äcker mit Dünger versorgt. Gärreste aus Biogasanlagen und Stalldung werden auf die Flächen gebracht. "Die Pflanzen haben nur kurze Wurzeln und brauchen die Nährstoffe als Wachstumshilfe", erklärt Christian Apprecht, Pressesprecher im Landesbauernverband Sachsen-Anhalt (LBV). Aber nicht nur der Stoffwechsel der Pflanzen wird dank steigender Temperaturen angeregt, auch Schädlinge der Nutzpflanzen werden aktiv, Pflanzenschutz ist nötig.

Ein nasser Herbst und Kahlfröste im Februar - jetzt zeigt sich, wo die Pflanzen diesen Stress überstanden haben und wo es Totalausfälle gibt. Nach Angaben des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt (LBV) sind die Schäden auf den nassen Flächen entlang der Flüsse besonders groß. "Im Köthener Raum hat der Frost vor allem die Wintergerste schwer geschädigt. Auch die Bestände bei Winterroggen, Winterweizen und Winterraps hat es schlimmer getroffen als erwartet", berichtet Apprecht.

Der Markt habe bereits reagiert. "Die Saatgutpreise für Wechselweizen oder Sommergetreide sind hoch, weil wenig Ware vorhanden ist", so Apprecht. In einigen Betrieben werde aufgrund der Wasserschäden aber das Geld knapp. Mit Hilfe von Vorkontrakten und finanziellen Vorleistungen werde zumindest der Kauf des Saatgutes ermöglicht. Eine akzeptable Ernte in diesem Jahr sei dringend notwendig.

Insgesamt rund 40 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Sachsen-Anhalt standen im Winter unter Wasser - teils wegen Überflutung, teils durch Drängwasser. Auf Flutbeihilfe warteten die Betriebe beispielsweise an der Elster aber immer noch vergebens. Stattdessen gebe es nun Pläne, dass Schöpfwerke und Stauwehre auf Kosten der Landnutzer, also der Landwirte, gebaut und auch von diesen betrieben werden sollten. Gerade weil immer mehr Einwohner mit nassen Kellern leben müssen, sollten Schöpfwerke und Stauwehre von öffentlichem Interesse sein und auch öffentlich finanziert werden, so die Position des Landesbauernverbandes.

Auch auf vielen Grünlandflächen sieht es nach LBV-Einschätzung schlecht aus: Bis zur ersten Grasernte müsse noch viel Mühe in die Rekultivierung der Wiesen gesteckt werden, um genug Futter für die Kühe silieren zu können.

Aufgrund der starken Vernässung der Flächen waren Saatgut, Herbstdüngung, Pflanzenschutzmaßnahmen und der damit verbundene Personal-, Material- und Technikeinsatz teilweise umsonst.

Für Flächen, auf denen Winterraps und Wintergetreide stark geschädigt sind, steht nun in den Betrieben die Entscheidung an, ob und womit die Felder neu bestellt werden sollen, beispielsweise mit Erbsen oder Sommergetreide, eine Alternative ist auch Wechselweizen, der von Oktober bis April ausgesät werden kann.

Der Bauernverband rechnet außerdem mit einer Zunahme des Maisanbaus. Der Grund: Viele Felder weisen noch eine sehr hohe Bodenfeuchte auf. Sie sind nicht befahrbar und können nicht rechtzeitig mit Zuckerrüben oder Kartoffeln bestellt werden.