Essen (dpa). Zum Auftakt des Arcandor-Prozesses um Schadenersatz in Millionenhöhe hatten gestern die Richter das Wort: Der klagende Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat dem Essener Landgericht zufolge seine Schadenersatzforderungen "nicht schlüssig berechnet" und soll binnen zwei Monaten nachbessern. Die Beklagten - Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und weitere ehemalige Manager des Karstadt-Mutterkonzerns - könnten nach vorläufiger Einschätzung des Gerichts unternehmerische Pflichtverstöße begangen haben - im Jahr 2005 beim Verkauf einer Wiesbadener Karstadt-Immobilie.

Görg forderte insgesamt 175 Millionen Euro Schadenersatz vom früheren Vorstands-Chef Middelhoff und von zehn weiteren Ex-Vorständen und -Aufsichtsräten. Haupt-Streitpunkt ist der Verkauf von fünf Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds im Jahr 2005. Nach Ansicht des Insolvenzverwalters waren die Verkaufspreise zu gering, die vereinbarten Mieten viel zu hoch. Middelhoff sagte, er habe die von seinen Vorgängern bereits verbindlich beschlossenen Verkäufe gar nicht mehr stoppen können.

Nach vorläufiger Einschätzung des Gerichts gilt wohl nur in vier von fünf Fällen. Beim Verkauf der Karstadt-Immobilie in Wiesbaden tendieren die Richter n dazu, eine unternehmerische Pflichtverletzung Middelhoffs und weiterer Vorstände anzunehmen. Der von Görg in diesem Fall geforderte Schadenersatz von 58 Millionen Euro ist nach Ansicht der Richter aber "nicht schlüssig berechnet". Middelhoffs Anwälte bezeichneten die Schadenersatzklage nach bisherigem Verfahrensstand als "Luftnummer". Als nächsten Verhandlungstag legte das Gericht den 31. August fest.