Frankfurt/Main (dpa). Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon haben die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL ihr Ringen um ein neues Tarifpaket überraschend unterbrochen. Nach 18 Stunden Diskussion am Stück gingen Arbeitgeber und Arbeitnehmer am frühen Mittwochmorgen in Frankfurt ohne einen Kompromiss auseinander. "Die Vielfalt der Themen hat uns noch nicht die Möglichkeit gegeben, zu einem Abschluss zu kommen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) kündigte die Fortführung der Gespräche für diesen Freitag an.

Nach eigenem Bekunden hatten sich die beiden Tarifparteien in den 13 vorangegangenen Verhandlungsrunden eigentlich so sehr angenähert, dass am Dienstag zunächst eine Einigung für die 20000 Lokführer des staatseigenen Konzerns greifbar schien. Strittig ist aktuell nur noch die neue Ausgestaltung des Haustarifvertrages. Er regelt DB-intern etwa Eckpunkte für das Überstundenkonto, die Altersvorsorge oder die Weiterqualifizierung. Wie die GDL zuvor betont hatte, ist ein umkämpfter Punkt auch der Umgang mit Lokführern, die einen Selbstmord auf den Gleisen miterleben mussten und dann wegen eines schweren Traumas nicht mehr zurück in den Führerstand können. Woran genau es bei den nächtlichen Gesprächen hakte, wollte keine Seite sagen.

Einig sind sich GDL und DB bereits beim Rahmentarifvertrag, der zentrale Beschäftigungsstandards wie Entgelt, vier wichtige Zulagen und die wöchentliche Arbeitszeit festlegt. Die GDL will, dass das hohe Niveau dieses Rahmentarifs künftig auch für alle DB-Wettbewerber gilt. Dafür muss es aber einen Abschluss mit den Arbeitgebern bei den DB-Konkurrenten geben - doch bei diesen Verhandlungen ist die Lage derzeit weitaus festgefahrener als bei dem Branchenführer selbst.

Die Konkurrenz der Deutschen Bahn wird heute ab 2 Uhr morgens für 48 Stunden abermals bestreikt. Es ist bereits die sechste Streikwelle seit Mitte Februar. Betroffen sind die großen fünf regionalen Bahn-Wettbewerber Abellio, Netinera, Benex, Veolia, Hessische Landes- bahn und deren Töchter - insgesamt werden bis Sonn- abend 2 Uhr 20 regionale Unternehmen bestreikt.