Prag (dpa). Mit ihren Viertaktern und dem eigenwilligen Heckantrieb galten die tschechoslowakischen Skoda-Autos zu Ostblockzeiten als Luxusprodukt. Nach der "Samtenen Revolution" des Jahres 1989 mit der Wende zur Demokratie kam für die Macher von "Favorit" und "Rapid" die Ernüchterung. Schnell musste ein Investor her, um den angesagten Westautos Paroli bieten zu können.

Französische Minister gaben sich in Prag die Klinke in die Hand, denn die frühere Tschechoslowakei galt als Tor zum gesamten Ostmarkt. Doch die Tschechen entschieden sich überraschend gegen den französischen Autohersteller Renault und für ein deutsches Unternehmen. Am 16. April 1991 wurde Skoda als damals vierte Marke in den Volkswagen-Konzern aufgenommen.

Das war Anfang der 1990er Jahre in Tschechien sehr umstritten. "Es war politischer Selbstmord", sagte Petr Pithart, der damalige Premierminister des tschechischen Teilstaats, der Nachrichtenagentur dpa. Ihm wurde vorgeworfen, den Ausverkauf des Staatssilbers zu betreiben. Um die Kontroverse nicht noch zu steigern, habe man unter Verschluss gehalten, dass der damalige VW-Chef Carl Hahn sudetendeutsche Vorfahren hat. Gegen Renault sprach vor allem, dass "Skoda" als eigenständige Marke untergegangen wäre, sagte Pithart.

Zwanzig Jahre später scheint der Erfolg dem damaligen Ministerpräsidenten recht zu geben. 2010 wurden 762600 Fahrzeuge verkauft und in diesem Jahr hofft man bei Skoda, die Millionengrenze zu durchbrechen. Doch die immer besseren Modelle aus Mlada Boleslav haben in der Konzernzentrale für Unmut gesorgt.

Skoda habe sehr stark die Verkäufe der Mutter VW kannibalisiert, statt das Segment der preisgünstigen Fahrzeuge aufzugreifen, erklärte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. "Jetzt versucht man, mit neuen Modellen auf den Markt zu kommen, die weiter von VW weg sind und stärker in Richtung Dacia gehen", sagte er der dpa.

Heute müssen sich die Autobauer aus dem böhmischen Kessel auf dem Weltmarkt beweisen. Aktuell will Skoda-Vorstandschef Winfried Vahland den Verkauf der Traditionsmarke in Russland, Indien und China ausbauen. Vahland kennt sich in diesen Wachstumsregionen gut aus, denn er wechselte im Herbst 2007 von China nach Böhmen.

"Das Auto ist dort nach der Wohnung immer noch die zweitwichtigste Investition", sagte Vahland der dpa in Prag. "Unsere Heimat bleibt Tschechien", versicherte er zugleich.

Es sei wichtig, in den kommenden Jahren die "Mannschaft" des zum VW-Konzern gehörenden Autobauers in Tschechien zu internationalisieren.

Dabei waren es gerade auch tschechische Erfinder und Konstrukteure, die die Automobilindustrie vorangebracht haben. "In jedem Käfer waren auch einige tschechische Patente", sagte Carl Hahn, der als VW-Chef 1991 die Übernahme steuerte.