Zörbig (dpa). Von Frauenquoten hält Unternehmerin Bettina Kretschmer gar nichts. "Man muss es draufhaben, ein Unternehmen zu leiten, oder es sein lassen", sagt die Geschäftsführerin der Contall Container- & Behälterbau Kretschmer GmbH Zörbig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dass es die 53-Jährige draufhat, beweist sie seit vielen Jahren: Seit 1995 ist sie Chefin des Betriebes, der eher in einer Männerdomäne angesiedelt ist. Ihre 25 Beschäftigten - überwiegend Männer - stellen Spezialcontainer aus Metall her.

"Wir bedienen vor allem Nischen", sagte die Unternehmerin. Wo der Einsatz von Schweißrobotern zu aufwendig sei, komme ihr Betrieb zum Zuge. So würden Sonderbauten für die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und die Forst- und Wasserwirtschaft gefertigt. Oftmals seien sie zusätzlich mit speziellen Werkzeugen ausgestattet. "Für große Unternehmen lohnen sich unsere eher kleinen Serien nicht, da die Software für die Schweißroboter oft aufwendig neu geschrieben werden müsste", sagt Kretschmer.

"Die Kunden kommen aus ganz Deutschland", berichtet die Unternehmerin, die sich zu DDR-Zeiten im damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik das praktische Rüstzeug für ihr Unternehmen aneignete. Aber auch ins Ausland werde geliefert, sogar bis nach Haiti. Jährlich setze das Unternehmen etwa drei Millionen Euro um.

"Wir haben einige Unternehmerinnen im Land, die sich in Männerdomänen behaupten", sagt eine Sprecherin des Unternehmerinnenverbandes Sachsen-Anhalts. Doch nach ihrer Ansicht sollten noch mehr Frauen den Mut haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach Angaben des Verbandes werden in Sachsen-Anhalt erst ein Drittel der Unternehmen von Frauen geführt.

Für ein weiteres Geschäftsfeld, das sie in den kommenden Jahren noch ausbauen will, hat Unternehmerin Kretschmer jüngst sogar noch einmal die Schulbank gedrückt. Für den Bau von Pferdeboxen aus Metall und Holz war der Erwerb des Meisterbriefes im Metallbau erforderlich. Ein Kunde habe sie auf die Idee gebracht, spezielle Unterkünfte für die Vierbeiner herzustellen. Auch dabei könne sie wieder auf die Vielseitigkeit ihrer Mitarbeiter setzen.

Über die Zukunft für ihr Unternehmen muss sich Kretschmer derzeit nicht sorgen. Seit April hat ihre Firma den Vertrieb für einen Faltcontainer für den deutschen Markt übernommen. Der patentierte Behälter wurde von der niederländischen Firma ColPac mit Sitz in Eindhoven in Zusammenarbeit mit großen Logistikfirmen entwickelt und getestet. Mit den klappbaren Containern werde eine enorme Kostenersparung beim Transport erreicht, sagt Kretschmer. "Das Volumen im eingeklappten Zustand beträgt nur noch 20 bis 35 Prozent des ursprünglichen Volumens."

Außerdem sei ihre Tochter Jana kürzlich in das Unternehmen eingestiegen. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre werde sich die 30-Jährige vor allem um das Marketing kümmern. Ihren ersten erfolgreichen Auftritt hatte sie auf der diesjährigen Hannover Messe, wo auch einige neue Aufträge an Land gezogen werden konnten.