Bei Industrieunternehmen und Dienstleistern im Norden Sachsen-Anhalts geht es wirtschaftlich bergauf, auch im Baugewerbe steigt der Optimismus. Gedrückte Stimmung herrscht im Verkehrsgewerbe, und das Gastgewerbe hofft auf die Hauptsaison. Zu diesen Ergebnissen kommt die IHK Magdeburg nach ihrer Umfrage zum ersten Quartal unter 1000 Unternehmen im Kammerbezirk.

Magdeburg. Es geht bergauf, mit 118 Punkten sind die Spitzenwerte aus dem Hochkonjunkturjahr 2007 schon fast wieder erreicht. Diese Botschaft überbrachte gestern IHK-Präsident Klaus Obricht in Magdburg bei der Präsentation der Quartalsumfrage.

In der Industrie füllen sich die Auftragsbücher. Vor allem im Inland wird kräftig akqiriert. "Der Export stagniert auf dem Niveau des Vorquartals", sagte Sven Horn, IHK-Geschäftsführer im Bereich Industrie, Umwelt, Konjunktur. Bis zum Ende des Jahres 2010 habe der Export aber steil zugelegt. Hier gebe es momentan keine weitere Steigerung, erklärte er.

Vor allem Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten profitierten vom Nachfrageschub. Dagegen meldeten Konsumgüterproduzenten eine verschlechterte Auftragslage und sinkende Umsätze. Auch ihre Erwartungen für die Zukunft sind eher pessimistisch, während sich jeder zweite Investitionsgüterproduzent von den nächsten Monaten wachsende Auftragseingänge verspricht.

Neben der Industrie werde der Aufschwung in der Region von den Dienstleistern getragen, sagte Olbricht. Auftragseingänge und Umsätze haben sich weiter positiv entwickelt, 47 Prozent der befragten unternehmensnahen Dienstleister zeigten sich "ausgesprochen zufrieden". Bei den personennahen Dienstleistern bewerteten zumindest 39 Prozent ihre Geschäftslage als gut.

Im Baugewerbe wird nach dem Ende des langen Winters der Auftragsstau abgearbeitet. 37 Prozent der Hochbau- und 39 Prozent der Tiefbauunternehmen sprechen von einer verbesserten Auftragslage. Mit Ausgaben für Investitionen halten sich die Firmen aber noch zurück. Im Groß- und Einzelhandel haben sich die Umsätze im ersten Quartal zwar leicht positiv entwickelt, blieben aber unter den Erwartungen. Geld für Investitionen wollen dennoch wieder mehr Unternehmen lockermachen.

Dem Gastgewerbe im Norden Sachsen-Anhalts fehlen wegen der in diesem Jahr späten Osterfeiertage Einnahmen. "Die Saison hat dadurch später begonnen", erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang März. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen berichtet von sinkenden Umsätzen. Die aktuelle Geschäftslage trübte sich nochmals deutlich ein, der Negativtrend aus dem Vorquartal wurde fortgeschrieben.

Für die Zeit zwischen Ostern und der Sommersaison und erst recht für die Hauptsaison ist die Branche wieder optimistischer. Im Beherbergungsgewerbe gaben nun 24 Prozent der Befragten positive Einschätzungen ab, im Vorquartal waren es nur 5 Prozent. Im Gastronomiebereich stieg die Zahl der Optimisten von 3 auf 15 Prozent.

Dem Verkehrsgewerbe machen hohe Kraftstoffpreise zu schaffen. Die Ertragslage habe sich verschlechtert, da es angesichts großer Preissprünge oft schwer sei, die Preise schnell weiterzugeben, erklärte März. Der Aufschwung lege in der Branche eine Pause ein. Umsätze und Transportvolumina hätten nicht weiter zugelegt. Der Anteil günstiger Lageeinschätzungen sei im Vergleich zum Vorquartal von 41 auf 32 Prozent gesunken. Auch die Umsatzerwartungen für das zweite Quartal seien rückläufig.

Als Risikofaktor für die Konjunktur nannte Olbricht den Fachkräftemangel, der sich insbesondere im ingenieurtechnischen Bereich bemerkbar mache. "Da gibt es schon Engpässe, und es kommt nicht viel nach." Aufgrund der sinkenden Schulabgängerzahlen konnten 65 Prozent von 800 befragten Unternehmen ihre Lehrstellen für das laufende Berufsbildungsjahr nicht besetzen, pflichtete ihm Uwe Dalichow, IHK-Geschäftsführer Berufsbildung, bei.

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