Berlin (epd). Bis zum Jahr 2020 könnten bis zu 1,2 Millionen Arbeitskräfte aus den mittel- und osteuropäischen Ländern nach Deutschland kommen. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Für den deutschen Arbeitsmarkt sei die Zuwanderung nicht problematisch, schreiben die Autoren. Vielmehr könne sie dazu beitragen, den Fachkräftemangel in technischen Berufen und in der Pflege zu mildern. Am 1. Mai wird der deutsche Arbeitsmarkt uneingeschränkt für Erwerbstätige aus Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn, der Slowakei sowie Estland, Litauen und Lettland geöffnet. Für diese Staaten galt seit ihrem Beitritt zur EU eine siebenjährige Übergangszeit, in der die alten Mitgliedsstaaten die Einschränkungen zum Schutz ihrer eigenen Arbeitsmärkte zweimal verlängern konnten. Deutschland und Österreich sind die beiden letzten Länder, die ihren Arbeitsmarkt nun ganz öffnen.

Die Forscher des Kölner Instituts werteten die Eurobarometer-Befragung von 27 000 EU-Bürgern aus, wonach fast jeder Vierte in den mittel- und osteuropäischen Ländern zum Arbeiten ins Ausland gehen will. Allerdings wollen aus Polen nur 15 Prozent der Erwerbstätigen im kommenden Jahr im Ausland arbeiten und 23 Prozent grundsätzlich nicht länger als ein Jahr.

Für Polen ist Deutschland das interessanteste Land, während die Balten lieber in die skandinavischen Länder oder nach Großbritannien gehen und die Ungarn, Slowenen und Slowaken nach Österreich.

Weil der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bisher beschränkt war, rechnen die Forscher mit einer "Bugwelle" von 800 000 Zuwanderern in den kommenden beiden Jahren. Danach sinke ihre Zahl wieder stark, hieß es. IW-Direktor Michael Hüther nannte den Zeitpunkt günstig, da die Konjunktur wieder anziehe. In den Jahren 2008 und 2009 hätten noch mehr Menschen Deutschland verlassen als hinzugekommen seien. Es gebe keinen Grund, die Öffnung des Arbeitsmarkts mit übertriebenen Ängsten vor Konkurrenz zu betrachten.

Gute Perspektiven sehen die Forscher für technische Berufe und die Pflege. Das Arbeitskräfteangebot werde in beiden Bereichen steigen. Hüther betonte, der Fachkräftemangel könne nicht behoben werden, wenn fehlende Kräfte allein in Europa umverteilt würden. So fehle es beispielsweise in allen westeuropäischen Ländern an Pflegekräften.