Der Gang zum Insolvenzgericht schien für Familie Mandelkow unausweichlich. An der Küche ihres Gasthofes "Zum Feinschmecker" hatte es nicht gelegen. Mit der Idee, seine begehrte und traditionell hergestellte "Original Altmärkische Hochzeitssuppe" in Gläser einzukochen, startete der Betrieb in der Altmark als Kelles Klädener Suppenmanufaktur neu durch.

Kläden. Mit flinken Fingern rollt Christel Müller Hackfleisch-Klößchen. Ganze Schweineschultern werden eingekauft, das Fleisch wird durch den Wolf gedreht, gewürzt und mit den Händen in Form gebracht, die Klößchen werden gebrüht und abgewellt.

Siegfried Ringleb hat eine Batterie Gläser neben sich aufgereiht. Jede Portion Klößchen misst er auf der Waage ab und gibt sie in ein Glas. Als zweite Lage folgt Dosen-Spargel, danach der Eierstich, auch selbstgemacht. Der wabbelt luftig-locker wie Vanillepudding. "Hier haben schon mehrere Anbieter gestanden, die uns fertige Klößchen oder Eierstich liefern wollten. Aber selbstgemacht ist die Qualität ganz anders", sagt Suppenmanufaktur-Inhaberin und Geschäftsführerin Antje Mandelkow.

Die Hühnerbrühe zum Auffüllen wird mit Gemüse gekocht. Dann geht es in den Automaten: Unter Druck werden die Konserven bei 108 Grad Celsius vier Stunden eingeweckt. So sind sie zwei Jahre haltbar, ohne Konservierungsstoffe. Nach dem Abkühlen legt Renate Franke, die 72-jährige Mutter der Unternehmerin, letzte Hand an. Alle Gläser wäscht sie nochmals ab, stempelt das Haltbarkeits- datum auf die Etiketten und klebt die Bandarole auf. "Bis alles fertig ist, wird jedes Glas 17-mal in die Hand genommen", betont die Chefin.

Es komme Hausmannskost nach original Schwiegermutters Rezepten in die Konserven. Die hatte ihr Handwerk an der Hauswirtschaftsschule gelernt und ihr Wissen an Wolfgang Mandelkow weitergegeben. Der Gastwirt, Koch und Küchenmeister hat im Dorf den Spitznamen "Kelle". Der ist inzwischen zur Marke geworden und geschützt. 30 000 Gläser Hochzeitssuppe produziert Kelle pro Monat. Dazu kommen rund 16 000 weitere Dauerkonserven: Erbsensuppe mit Bockwurst und weiße Bohneneintopf aus der Gulaschkanone, Wildgulasch, Soljanka, Kesselgulasch und Hühner- frikassee. "Mit Fleisch von fetten Suppenhühnern, damit es schmeckt", sagt Mandelkow.

Abnehmer sind Edeka-Märkte, Metro Deutschland und Marktkauf Sachsen-Anhalt. Auch im Hofladen, auf Bauernmärkten und Veranstaltungen werden die Produkte verkauft. Ende Mai/Anfang Juni startet der Vertrieb bei www.kelles-suppenmanufaktur.de. Der Laden läuft - mit inzwischen acht Vollzeit- und fünf Teilzeitkräften. Gekocht wird in zwei Schichten. Zwölf Vollzeitstellen sind das Ziel.

Angefangen hatte alles provisorisch mit Gulaschkanone, Einkochkessel, großen Töpfen und geborgtem Geld. Banken nannten die Idee gut, scheuten aber das Risiko. Ausgaben für Anträge, Laboruntersuchungen und den ersten Automaten zum Einkochen von 75 Gläsern mussten dennoch gestemmt werden. Mit Sparkassen-Finanzierung hat der Familienbetrieb schließlich 560 000 Euro in den Umbau des Gasthofes gesteckt, in dieser Zeit in einer Fleischerei nachts gekocht und im März die Manufaktur neu eröffnet.

"Das geht alles nur, weil die Mitarbeiter und die ganze Familie mitziehen", so die Chefin. Neben Ehemann und Mutter arbeiten vier Brüder in der Firma. Die vier Töchter helfen in ihrer Freizeit mit: Josefine vertritt Region und Unternehmen als "Kelles Suppenkönigin". Und selbst die siebenjährige Emily erklärt beim Tag der offenen Tür den Gästen schon, wo es bei Kelles langgeht.

 

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