Magdeburg (dpa). Nach der Entlassung aller 180 Mitarbeiter des Magdeburger Holzplattenwerkes von Varioboard wollen sich Gewerkschaft und Wirtschaftsministerium für die Betroffenen einsetzen. Das Werk hatte 1999 die Fertigung von Platten unter anderem für die Möbelindustrie begonnen. In einer Mitteilung erklärte die Geschäftsführung, aufgrund der Marktlage und der dramatisch gestiegenen Kosten für Holz und Energie sehe man keine andere Möglichkeit als die Schließung.

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte entsetzt auf die Entlassung der gesamten Belegschaft. "Es hört sich an, als wenn man ganz schnell Schluss gemacht hätte", sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Magdeburg-Schönebeck, Detlev Kiel. Ob die Schließung wirtschaftlich überhaupt zwingend sei, müsse hinterfragt werden, sagte Kiel. Man habe aber zunächst keinen Kontakt zum Management herstellen können. Die Varioboard GmbH gehöre zu einer Firmen-Gruppe, die mehrere Standorte für verschiedene Produkte hat.

Morgen werde die Gewerkschaft den Mitarbeitern eine Rechtsberatung anbieten. Einen Betriebsrat habe das Werk nicht, was die Arbeit erschwere, sagte Kiel. Die Gewerkschaft sei von der Schließung genauso überrascht worden wie die Beschäftigten.

Das Wirtschaftsministerium sicherte den Betroffenen Unterstützung zu. "Wir wollen vermeiden, dass die Beschäftigten arbeitslos werden.", hieß es. Dazu sollten auch alternative Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden.

Die Firma hatte angekündigt, die Produktion in Magdeburg komplett einzustellen. "Eine Perspektive für ein Wiederanfahren des Werkes ist bei den jetzigen Bedingungen nicht gegeben", hieß es.

In guten Zeiten rollten täglich mehrere Dutzend Lastwagen mit Kiefernholz zu Varioboard. Zusammen mit Leim wurden daraus auf den Millimeter genau zugeschnittene Faserplatten für Möbel, Paneele oder auch Laminatfußböden. Der Ausstoß lag zuletzt bei 200000 Tonnen im Jahr, der Umsatz betrug 2010 rund 50 Millionen Euro. Der Magdeburger Standort hat eine Geschichte, die bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reicht. Damals wurde er für ein Imprägnierwerk genutzt.