Die 17 Volks- und Raiffeisenbanken in Sachsen-Anhalt haben 2010 das beste Geschäftsergebnis seit 20 Jahren erzielt. Die Kundeinlagen stiegen um 3,4 Prozent auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro, die Gesamtbilanzsumme um 85 Millionen Euro auf 4,1 Milliarden Euro.

Magdeburg. Zufriedene Gesichter in den Vorstandsetagen der 17 Volks- und Raiffeisenbanken in Sachsen-Anhalt: Deren Geschäftsentwicklung verlief im vergangenen Jahr "äußerst positiv", freute sich der Koordinator der Bankenarbeitsgemeinschaft Sachsen-Anhalt, Uwe Fabig, bei der Vorlage der Jahresbilanz der genossenschaftlichen Institute gestern in Magdeburg. "2010 war das beste Geschäftsjahr in den vergangenen 20 Jahren", fügte das Vorstandsmitglied der Volksbank Magdeburg hinzu.

Ausweislich der Bilanz stiegen die Kundeneinlagen um 3,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, die Bilanzsumme um 85 Millionen Euro auf 4,1 Milliarden Euro und die Kundenkredite um 3,0 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Entwicklung der Einlagen sei nach wie vor von den Folgen der Finanzmarktkrise geprägt gewesen. Dadurch habe es hohe Zuflüsse gegeben. "Sicherheit war der bedeutende Faktor bei der Geldanlage vieler Kunden", sagte Fabig weiter. So legten die Sichteinlagen - Gelder, die die Kunden jederzeit auch wieder abrufen können - um starke 8,1 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zu.

Auch die Ertragslage habe unter anderem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Sachsen-Anhalt eine "sehr gute Entwicklung" genommen, ergänzte Fabig. Alle Banken hätten das Eigenkapital weiter stärken können, auch, um den zu erwartenden verschärften europäischen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung ("Basel III") entsprechen zu können.

Von dem positiven Ergebnis sollen auch die nunmehr landesweit rund 90000 Mitglieder (plus 4175) einer Volks- und Raiffeisenbank profitieren. Sie können sich auf eine Dividende zwischen vier und fünf Prozent je gezeichnetem Geschäftsanteil freuen. Dieser variiert von Bank zu Bank. Bei der Volksbank Magdeburg beispielsweise können Anteile in Höhe von 100 Euro gezeichnet werden, bei anderen 50 Euro.

Mit dem gewachsenen Kreditvolumen an Privat- und gewerbliche Kunden aus Handwerk, Handel und dem Dienstleistungsbereich würden die Volks- und Raiffeisenbanken einmal mehr ihrer Verantwortung als "bedeutender Finanzierungspartner der regionalen mittelständischen Wirtschaft" gerecht, kommentierte Fabig.

Neben der Landwirtschaft und dem Wohnungsbau würden sich die Volks- und Raiffeisenbanken immer stärker auf dem Feld der erneuerbaren Energien engagieren, erläuterte der Vorstand der Volksbank Börde-Bernburg, Friedrich-Wilhelm Baden. Dazu zählten unter anderem Kreditierungen im Photovoltaik-Bereich und für Biogasanlagen.

Die genossenschaftliche Bankengruppe hat nach eigenen Angaben in Sachsen-Anhalt die Finanz- und Wirtschaftskrise gut überstanden. Dabei habe sich nach Einschätzung von Fabig die kleinteilige Struktur der Geldinstitute und deren ausgeprägte regionale Geschäftspolitik bewährt.

Kritisch stehen die Volks- und Raiffeisenbanken der Bankenabgabe gegenüber. Diese sollen beginnend in diesem Jahr deutsche Finanzinstitute zahlen, um sich an den Kosten künftiger möglicher Krisen zu beteiligen. Das wird von den genossenschaftlichen Kreditinstituten, die die vorangegangene Finanzkrise nicht zu verantworten haben, aus diesem Grund abgelehnt. Laut Fabig würde die Bankenabgabe die Volks- und Raiffeisenbanken in Sachsen-Anhalt jährlich 250000 Euro kosten. Das neue Auffangnetz zur Vorsorge gegen künftige Schieflagen soll am Ende etwa 70 Milliarden Euro umfassen.

Auch die auf europäischer Ebene geplanten neuen Bankensicherungsregeln, wonach Banken für die Kundeneinlagen bis zu 100000 Euro haften sollen, stößt bei den Genossenschaften auf Widerspruch. Diese sichern bisher Einlagen in voller Höhe ab.

In Sachsen-Anhalt unterhalten die Volks- und Raiffeisenbanken 201 Zweigstellen sowie 315 Geldautomaten. Sie betreuen mit 1499 Mitarbeitern (minus 120) rund 372300 Kunden (minus 2890).