Der nach Unternehmensangaben landesweit größte Hochbaubetrieb hat seinen Sitz im Harz: die Industriebau Wernigerode GmbH. 230 Mitarbeiter erwirtschaften auf Baustellen in nahezu ganz Deutschland jährlich rund 80 Millionen Euro an Umsatz. Speziell in der Landeshauptstadt haben die Wernigeröder bei der Schulsanierung Zeichen gesetzt.

Wernigerode. Die deutsche Hochbau-Branche muss in diesen Wochen gleich auf mehrere "Baustellen" ihr Augenmerk richten: Zweieinhalb Jahre nach dem Ausbrechen der Weltwirtschaftskrise gibt es aktuell in den Auftragsbüchern noch genügend freie Seiten. Die Attraktivität des Bauberufs schwindet immer mehr - umso schwieriger wird es, Nachwuchs zu finden und Fachkräfte zu halten.

Auch darum wird bei der Industriebau Wernigerode GmbH die neue Freiheit für Arbeitskräfte aus der Ost-EU auch als Chance für neue eigene Geschäftsfelder gesehen. Geschäftsführer Peter Schmidt kündigte im Volksstimme-Gespräch an, "die Entwicklung ganz genau zu verfolgen". Deutsche Eisenbieger gebe es hierzulande auf Baustellen schon lange nicht mehr, nun drohe der deutsche Fliesenleger "auszusterben", sagt Schmidt.

Dennoch ist für ihn der Beruf auf dem Bau "der schönste auf der Welt. Tag für Tag kann man das Ergebnis seiner Arbeit sehen, und jedes Projekt ist ein Unikat". Ein ganz besonderer Tag ist für die derzeit 230 Industriebauer der 4. Mai 1991: Heute vor 20 Jahren haben elf Männer aus dem einstigen BMK-Kombinatsbetrieb von der Treuhand ihren Betrieb gekauft. Für 10 Millionen D-Mark plus einer Reihe weiterer ebenfalls erheblicher finanzieller Verpflichtungen.

Jetzt, 20 Jahre später, zieht Schmidt, der zu den GmbH-Gründern zählt, ein positives Fazit: Bis auf Rheinland-Pfalz und im Saarland habe man "überall in Deutschland eine Spur der Steine" hinterlassen. Sämtliche Projekte addieren sich auf eine Bausumme von 1,3 Milliarden Euro. Wohnhäuser an der Nordsee ebenso wie in München oder in Wernigerode, Gewerbebauten für Handelsketten, Industriebauten wie die Hasseröder Brauerei, Verwaltungsgebäude, Pflegeheime, oder - ganz aktuell - ein 7,5-Millionen-Euro-Projekt für die NATO in der Lüneburger Heide. Hinter der Bezeichnung "Kasernenbau für britische Truppen" verbergen sich laut Schmidt "hochwertige Reihenhäuser mit Zwei-/Drei-Zimmer-Wohnungen".

Ein Firmenschwerpunkt sind Thermal- und Schwimmbäder, die beispielsweise in Cottbus, Halberstadt, Flensburg oder im hessischen Bad Orb schlüsselfertig errichtet wurden. Der Industriebauchef: "Wir gehören zu jenem Dutzend deutscher Anbieter, die sich auf diese anspruchsvollen Projekte spezialisiert haben."

Bereits 1998 haben die Harzer ein bis dato eher unbekanntes Geschäftsfeld eröffnet: Das Sanieren einer Schule in Goslar (Niedersachsen) auf eigene Rechnung. Die öffentliche Hand stottert diese Investition dann 20 bis 30 Jahre lang ab - das sogenannte PPP-Modell (public-private partnership).

Die Industriebau GmbH hat eigens dafür eine bundesweit agierende Tochterfirma gegründet, weil inzwischen zum PPP-Angebot ebenso gehört, die Schulen oder Verwaltungsgebäude für die Vertragslaufzeit zu bewirtschaften. In Magdeburg hat die Stadtverwaltung die Sanierung von 20 Schulen in vier Pakete geteilt. Nach EU-weiter Ausschreibung sind die Wernigeröder Bauleute gleich für drei Projektbündel im Gesamtumfang von 80 Millionen Euro Vertragspartner der Landeshauptstadt.

Dieser Geschäftsbereich wird zunehmend bedeutsamer. Mit stabilen Jahresumsätzen von zuletzt 70 bis 90 Millionen Euro sieht sich der nach eigenen Angaben größte Hochbaubetrieb im Land gut für die Zukunft gewappnet, erklärt Peter Schmidt selbstbewusst. Zum Unternehmenserfolg gehöre nicht zuletzt eine motivierte Belegschaft, die nach Tarif entlohnt werde - "und das seit 1991 stets pünktlich".

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