Selbst erfolgsverwöhnten Aktionären dürfte es angesichts der überragenden Zahlen etwas unheimlich werden: Auf dem Weg an die Auto-Weltspitze scheint sich VW durch nichts aufhalten zu lassen. Der Konzern will Kurs halten - aber auch die Vorsicht wächst.

Hamburg (dpa). Applaus für den Konzernlenker: Nach einem Jahr der Superlative kann sich VW-Chef Martin Winterkorn beim jährlichen Aktionärstreffen in Erfolgen sonnen, die in der Branche vor nicht allzu langer Zeit noch als nahezu unmöglich galten. Die Fülle an Bestmarken macht Eindruck auf die Anteilseigner. Doch es mehren sich auch die Stimmen derer, denen das Tempo der "Strategie 2018" inzwischen fast etwas zu hoch geworden ist.

Die Hauptversammlung geriet zum Heimspiel für Vorstand und Aufsichtsrat, an den Leistungen des Managements gab es wenig auszusetzen. Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Wolfsburger bei anhaltend starkem Wachstum schon früher als erst in sieben Jahren zur Nummer eins der Autowelt aufsteigen könnten. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU), der das Bundesland als zweitgrößten Anteilseigner im Aufsichtsrat vertritt, gab sich begeistert: "VW fährt der Konkurrenz davon. VW ist auf der Überholspur." Bei aller Schlagkraft bleiben gleichwohl Risiken.

Rund 20 Milliarden Euro hat der europäische Branchenprimus in der prall gefüllten Kasse. "Diese Basis ist kein Selbstzweck, sondern verschafft uns die notwendige Flexibilität für unsere Investitionen und Umsetzung unserer Strategie 2018", sagt Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Bis 2015 will der Konzern 53,5 Milliarden Euro in die eigene Zukunft stecken. Winterkorn betont, VW habe "finanziell ausreichend Kraftstoff im Tank". Dies nährt Spekulationen über weitere Zukäufe nach der Übernahme der Porsche-Handels-Holding Anfang März.

Steigende Rohstoffpreise, zunehmender Wettbewerbsdruck und politische Unsicherheiten machen die Rahmenbedingungen in manchen Regionen jedoch schwieriger, erklärt Winterkorn. Wachstumstreiber bleiben nach Einschätzung der VW-Spitze die Märkte in China, Indien und Russland. Auch in das neue US-Werk in Chattanooga, das am 24. Mai eröffnet wird, setzt Deutschlands größter Konzern seine Hoffnungen.

Keine Entspannung kann dagegen vorerst das langjährige Problemkind Seat melden - obschon Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz die Hauptursache in den Marktstrukturen verortet: "Die Folgen der Wirtschaftskrise sind in Spanien noch spürbar." Erst 2013 könne die Tochter wieder mit einem positiven Ergebnis rechnen.

Beim japanischen Partner Suzuki strebt VW aktuell keine Aufstockung seiner Beteiligung von knapp 20 Prozent an, wie Winterkorn klarstellte. Die Zusammenarbeit entwickele sich in einigen Punkten langsamer als erwartet, räumt der Vorstandschef ein, der im vergangenen Jahr insgesamt 9,3 Millionen Euro an Bezügen einstrich. Es gebe aber eine Reihe interessanter Optionen - etwa bei gemeinsam entwickelten Kleinwagen für den indischen Markt oder alternativen Antrieben. Als Konkurrenten behalten die Wolfsburger den südkoreanischen Konkurrenten Hyundai-Kia unter Beobachtung.

Wie rasch die verzögerte Fusion mit Porsche in diesem Jahr noch vorankommt, ist ungewiss. In seiner Rede gab sich der VW-Obere selbstsicher: "Der integrierte Konzern wird auf jeden Fall kommen." Wegen der offenen Steuerfragen und der Schadensersatzklagen gegen Porsche im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme könne man weiterhin keinen konkreten Zeitpunkt nennen, hieß es.