Köln (dpa). Kleidung im Internet bestellen, liefern lassen, anprobieren - und bei Nichtgefallen zurückschicken: Was für die Kunden bequem ist, schreckt viele Modehändler ab. Zwar kommen im Internet ständig neue Mode-Shops hinzu, aber klassische Händler sind dabei überwiegend zögerlich.

Eine Umfrage des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) unter seinen Mitgliedern ergab kürzlich: Nur zehn Prozent der Unternehmen betreiben einen eigenen Internet-Shop, bei 18 Prozent ist er geplant - bei den übrigen 72 Prozent nicht. Gleichzeitig sorgt die Mehrheit der Befragten sich wegen der zunehmenden Konkurrenz im Internet. Online-Marktplätze und Shopping Clubs werben massiv um Kunden. Aber auch immer mehr Markenhersteller eröffnen eigene Online-Shops und verkaufen ihre Waren dort selbst an Endverbraucher.

Eine Befragung des E-Commerce-Center Handel (ECC) in Köln zeigt, dass mittelständische Bekleidungshändler möglichen Problemfeldern bei der Internetnutzung eine vergleichsweise hohe Bedeutung zumessen. So sind für sie die Kosten des E-Business sowie fehlendes Wissen bei Online-Marketing und Technik größere Probleme als für den Durchschnitt der Einzelhandelsbranche.

"Letztlich kommt es auf die Zielrichtung an, ob man einen Online-Shop eröffnet oder nicht", sagt der Geschäftsführer der dbu Unternehmensberatung, Ralf Ziebula. "Ein Modehersteller kommt heutzutage kaum umhin, seine Produkte auch online zu vertreiben."

"Für einen Händler dagegen kann es viel sinnvoller sein, einen Internet-Auftritt nur dafür zu nutzen, für sich zu werben, um Kunden in sein Geschäft zu locken", meint Ziebula. BTE-Chef Jürgen Dax sieht das ähnlich. Viele Kunden informierten sich zunächst im Internet, gingen zum Kaufen dann aber in ein Geschäft. "Deshalb sollten Händler sich im Netz zumindest mit einer schönen Visitenkarte vorstellen", rät Dax.

Doch auch hier hapert es noch häufig. Der ECC-Studie zufolge verfügten 2010 knapp 69 Prozent der mittelständischen Bekleidungshändler über eine eigene Website. Betrachtet man dagegen den gesamten Einzelhandel, sind dies 84 Prozent der Unternehmen. "Kleinere Händler, die eine sehr lokale Kundschaft haben, halten das oft für überflüssig", sagt Klees.

Rund zehn Milliarden Euro Umsatz jährlich gingen der Branche allein dadurch verloren, dass Kunden im Geschäft nicht das gefunden haben, was sie suchten. "Wenn auch nur ein Teil dieser Summe aus dem Internet geholt werden kann, dann lohnt es sich", sagt Dax.