Wiesbaden (dpa). Die deutsche Exportwirtschaft drückt immer stärker aufs Gaspedal und durchbricht alle eigenen Rekorde: Im März legten die Ausfuhren im Vergleich zum Februar kalender- und saisonbereinigt um 7,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mitteilte. Damit wurden Waren im Rekordwert von 98,3 Milliarden Euro ausgeführt - so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung der Außenhandelsstatistik für die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1950.

Der bisherige Höchstwert hatte im April 2008 bei 88,8 Milliarden Euro gelegen. Im Vergleich zum März 2010 kletterten die Exporte nach den vorläufigen Ergebnissen um 15,8 Prozent.

Damit sind Deutschlands Exporteure nach einem Monatsplus von 2,8 Prozent im Februar weiter auf Rekordkurs - trotz der Katastrophen in Japan, der Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika sowie der Staatsschuldenkrise im Euroraum. Auch der Anstieg der Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel seit Jahresbeginn sowie der lange steigende Eurokurs bremsen den deutschen Exportboom bisher nicht. Die Marke von einer Billion Euro Ausfuhrwert werde in diesem Jahr geknackt, bestätigte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) frühere Prognosen. "Mit den neuen Rekorden hat der Außenhandel die Krise nun endlich hinter sich gelassen und knüpft an die Entwicklungen davor an", sagte Verbandspräsident Anton Börner, warnte aber auch: "Wo viel Sonne ist, ist auch Schatten: So ist die brisante Lage in Libyen und Syrien nicht gebannt und könnte zu destabilisierenden Auswirkungen auf die gesamte Region führen. Auch ist die Schulden- und Vertrauenskrise einiger Staaten im Euroraum keineswegs ausgestanden, wie die aktuelle Situation in Griechenland zeigt." Die Risiken zeigten, dass die Erfolge im Außenhandel keine Selbstläufer sind.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte: "Die deutsche Außenwirtschaft strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Die Marke ,Made in Germany\' ist im Ausland äußerst beliebt."

Auch die Einfuhren erreichten ein neues Allzeithoch. Im Monatsvergleich stiegen sie um 3,1 Prozent auf 79,4 Milliarden Euro. Gegenüber März 2010 stiegen die Importe um 16,9 Prozent. Die Handelsbilanz wies einen Überschuss von 18,9 Milliarden Euro aus. Vor einem Jahr hatte er 17,0 Milliarden Euro betragen.

Analysten der Commerzbank erklärten, das späte Osterfest habe das Ergebnis zwar vermutlich beeinflusst, dennoch seien die Zahlen "sehr stark". Deutsche Firmen hätten kräftig von der Wiederbelebung des Welthandels profitiert und im ersten Quartal knapp 4 Prozent mehr Waren exportiert als im Schlussquartal 2010.Meinung