Seit 20 Jahren werden in Sachsen und Thüringen Hinterlassenschaften des Uranbergbaus saniert. Ein Großteil ist geschafft, 5,4 Milliarden Euro wurden verbraucht. Doch die Sanierung dauert länger und wird teurer.

Chemnitz (dpa). Schacht 371 in Schlema-Alberoda im Erzgebirge ist verschlossen, der Tagebau bei Ronneburg (Thüringen) fast saniert. "20 Jahre nach dem Ende des DDR-Uranbergbaus ist ein Großteil der rund 1400 Projekte erledigt", sagte der Sprecher der Wismut GmbH Chemnitz, Frank Wolf. Dennoch werde das Unternehmen auch nach 2020 zu tun haben. Die Kosten dürften sich von ursprünglich 6,4 Milliarden Euro voraussichtlich auf rund sieben Milliarden Euro erhöhen. Bisher wurden laut Wolf etwa 5,4 Milliarden Euro ausgegeben. Das Aus für den Uranbergbau war heute vor 20 Jahren mit einem deutsch-sowjetischen Abkommen besiegelt worden.

Der Uranbergbau in Thüringen und Sachsen hatte nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 Fahrt aufgenommen. Auf Betreiben der sowjetischen Besatzungsmacht, die den Rohstoff für ihr Atomprogramm benötigte, wurde die Staatliche Aktiengesellschaft Wismut in Aue gegründet. 1954 entstand eine zweistaatliche Gesellschaft unter Beteiligung der DDR, die die Uranförderung mit der Stammbelegschaft von 45000 Mitarbeitern rund drei Jahrzehnte fortsetzte. Bis Ende 1990 wurden rund 231000 Tonnen Uran aus dem Berg geholt - oft mit katastrophalen Folgen für Menschen und Umwelt. Die Wismut war damit nach der Sowjetunion, den USA und Kanada der viertgrößte Uranproduzent der Welt.

1991 stiegen die Russen aus dem Unternehmen aus, das seither an der Beseitigung der Bergbauhinterlassenschaften arbeitet. "Der Erfolg des Wismut-Projekts ist für die betroffenen Regionen unerlässlich für eine lebenswerte Umwelt und die Chance zum Neubeginn", beschrieb Wolf das Selbstverständnis. Mit einer Ausstellung in Chemnitz, einem internationalem Symposium in Ronneburg (Thüringen) und einer Jubiläumsfeier zum Bergmanns- tag in Bad Schlema soll an 20 Jahre Sanierung erinnert werden.

"Mehr als 90 Prozent der Bergwerke sind verfüllt, gesichert, geflutet", sagte Wolf. Aber vor allem über Tage sei noch viel zu tun, fast überall müssten Flächen wieder hergerichtet werden. "Die meisten Aufgaben sollen bis 2020 erledigt sein." Aber auch danach müssen das Wasser aus gefluteten Gruben überwacht und sanierte Flächen weiter beobachtet werden. Ein Sanierungsprogramm von 2010 reicht bis 2040. Auch wenn die Mitarbeiterzahl seit 1992 von rund 7000 auf derzeit rund 1450 geschmolzen ist, könnte das nicht das letzte Konzept gewesen sein.

Als Erfolg wird die Revitalisierung der Gegend um Aue und Bad Schlema gefeiert. Aus den bis in 1800 Meter Tiefe reichenden Gruben wurden 1946 bis 1991 etwa 80000 Tonnen Uran gefördert, rund um Schlema türmten sich 18 Abraumhalden. Die meisten dieser künstlichen Berge wurden abgeflacht und mit einer Schicht versehen, auf der Grünes wächst. Schlema hat sich so in 20 Jahren vom "Tal des Todes" zum Kurbad gemausert. "Vielerorts sind Landschaften wieder saniert, ist eine gefahrlose Nachnutzung möglich", sagte Wolf.

In Ronneburg (Thüringen) verschwanden bis 2008 zwölf Bergbauhalden und die Grubenfelder wurden geflutet. Das Wasser ist aber mit Uran und anderen Schadstoffen belastet und muss noch Jahrzehnte speziell behandelt werden. Auch in Königstein (Sächsische Schweiz) ist die Flutung der Gruben aufwendig. Dort wurde das Uran mit chemischen Verfahren und Schwefelsäure aus dem Berg geholt. "Der Sandstein hat die Lösung aufgesaugt", erzählte Wolf. Da bei einer schnellen unkontrollierten Flutung Umweltschäden befürchtet werden, gibt es ein spezielles Konzept. "Die Aufbereitung des Wassers, das aus dem Berg fließt, wird auch dort noch jahrelang dauern."

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