Prag/Magdeburg (dpa/ts). Der tschechische Stromkonzern CEZ will möglicherweise ein Braunkohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt bauen. CEZ-Sprecherin Eva Novakova bestätigte gestern entsprechende Überlegungen. Nach Aussage von Konzernchef Martin Roman würde es sich um eine Investition in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro handeln. Die deutsche Tochter Mibrag (Zeitz) verfüge für den Bau eines Kohlekraftwerks über einen der besten Standorte in ganz Europa, ließ Roman mitteilen.

Die Tschechen waren vor zwei Jahren zusammen mit der Finanzgesellschaft J&T Group bei der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft eingestiegen. Der teilstaatliche Stromkonzern CEZ hofft nun, vom neuen Atomkurs der Bundesregierung profitieren zu können. Vor einer Entscheidung über die Investition müsse man aber abwarten, ob die Bundesregierung festlegen werde, welche Energiequellen den fehlenden Atomstrom ersetzen sollen, hieß es aus der Prager Konzernzentrale.

Die Mibrag plant schon seit längerer Zeit einen Kraftwerksneubau in Profen, hatte diesen aber aufgrund fehlender Rahmenbedingungen wie der künftigen Rolle der Braunkohle im Energiemix nicht begonnen. Allerdings muss die Mibrag für ihre alten Kraftwerke für Emissionsrechte zahlen. Allein im vorigen Jahr waren das 21 Millionen Euro.

Bei einer im Vergleich zu 2009 nahezu konstanten Förderung von 19,6 Millionen Tonnen Braunkohle machte das Unternehmen 2010 rund 387,1 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 0,6 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag bei 66,3 Millionen Euro und damit um 18 Prozent über dem des Vorjahres. Das Unternehmen profitierte von gestiegenen Kohlepreisen. Die Mibrag hat 2000 Mitarbeiter und rund 150 Auszubildende.