Sachsen-Anhalt hat erstmals einen ausgewiesenen zentralen Ansprechpartner für Fragen der Informationstechnologie. Das Amt des "IT-Beauftragten der Landesregierung" hat der Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Felgner, übernommen. Der Arbeitgeberverband der IT-Branche begrüßt diese Entscheidung.

Magdeburg. Für die Arbeitgeber der sachsen-anhaltischen Informationstechnologie-Branche ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Im Finanzministerium hat Staatssekretär Jörg Felgner auch das Amt des "IT-Beauftragten der Landesregierung" übernommen. "Darüber freuen wir uns sehr", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der IT- und Multimediaindustrie (VITM), Dirk Bartens, der Volksstimme.

Er verknüpfe mit dieser Personalentscheidung "die Hoffnung und die Chance, Fragen der Informationstechnologie künftig ressortübergreifend von den Ministerien über die Hochschulen bis zur öffentlichen Verwaltung und unter Einbindung der Wirtschaft anzugehen". Die IT-Branche in Sachsen-Anhalt zählt mehr als 500 Soft- und Hardwareunternehmen mit insgesamt rund 20000 Beschäftigten. Die Mitarbeiterzahl war in den vergangenen fünf Jahren um 38 Prozent gewachsen.

Die Arbeitgeber hatten im Vorfeld der Landtagswahlen am 20. März die Wahlprogramme der großen Volksparteien unter die Lupe genommen und bei der Themensetzung in Fragen der Informationstechnologie Versäumnisse moniert. Unter anderem hatten sie kritisiert, dass wichtige Felder wie Erneuerung und Modernisierung des Datennetzes des Landes, über das unter anderem Ministerien, Landkreise und Schulen miteinander kommunizieren, die Zusammenlegung der Rechenzentren oder die Einrichtung einer einheitlichen Behördenrufnummer über die Modellregion Magdeburg hinaus bei wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzungen ausgeklammert würden. Aus diesen Gründen hatte die IT-Wirtschaft einen Informations- und Kommunikationstechnologieverantwortlichen auf Landesebene gefordert.

Bartens begrüßte die Anbindung der zentralen IT-Verantwortlichkeit im Finanzministerium. Das Haus trage bereits die Verantwortung für das Landesrechenzentrum in Halle, das Finanzrechenzentrum der Oberfinanzdirektion und das Datennetz des Landes. Diese Bündelung falle idealerweise mit der Steuerung der Finanzströme zusammen. Diese Konstruktion sei übrigens in der freien Wirtschaft gängige Praxis, betonte Bartens. In großen Unternehmen falle die IT-Verantwortlichkeit in den Bereich des Finanzvorstandes.

Ein großes Aufgabenfeld in Sachsen-Anhalt sei nach wie vor der Ausbau des Breitbandnetzes, über das mit hoher Geschwindigkeit Daten verschickt werden können. Bartens zufolge würden derzeit in mehr als 190 Kommunen im Land Glasfasernetze installiert, die einen Datendurchsatz von mindestens 2 Megabit pro Sekunde gewährleisten. Er rechne damit, dass bis Ende nächsten Jahres noch vorhandene Versorgungslücken im Wesentlichen verschwunden sein werden.

Bis dahin warte aber noch viel Arbeit, sagte Bartens. So müsse im Interesse des effektiven Einsatzes von Fördermitteln Doppel- oder Dreifacharbeiten unter anderem bei der Verlegung von Breitbandkabeln vermieden werden. Vielfach würden beispielsweise Bauarbeiten einmal seitens des Landes, dann wieder der Kommunen oder zusätzlich von Stadtwerken durchgeführt. Diese mangelnde Abstimmung verursache unnötige Kosten, kritisierte Bartens.

Der Arbeitgeberverband schlägt deshalb vor, ein "Breitband-Zentrum" zu schaffen, in dem die mit der Problematik beschäftigten Akteure die Projekte koordinieren könnten. Dem solle auch ein "Breitband-Atlas" dienen, in dem wie in einem Straßenplan der Fortschritt der Arbeiten dokumentiert und weitere notwendige Versorgungsgebiete ausgewiesen werden müssten.

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