Sachsen-Anhalts Agenturen für Arbeit haben einen Chancen-Atlas entwickelt und im Internet freigeschaltet. Schulabgänger können daraus ihre Schlüsse ziehen, welche Berufsausbildung sich für sie in ihrer Region lohnt. Auch denen, die sich beruflich neu orientieren wollen, werden Perspektiven im Heimatbundesland aufgezeigt. Mit dem Chancen-Atlas ist Sachsen-Anhalt in Deutschland Vorreiter.

Magdeburg. Noch vor wenigen Jahren haben Schulabgänger, die zur Ausbildung in andere Bundesländer gingen, einen erfreulichen Beitrag zur Entlastung des Ausbildungsmarktes in Sachsen-Anhalt geleistet. Doch das Blatt hat sich gewendet. "Wir können es uns nicht leisten, dass die jungen Leute abwandern, wir brauchen sie hier", betonte Lutz Bartel, Geschäftsführer in der Agentur für Arbeit Magdeburg.

Binnen fünf Jahren ist die Zahl der Lehrstellenbewerber im Agenturbezirk Magdeburg um zwei Drittel gesunken. 2006 hatten sich noch 8250 Jugendliche um einen Ausbildungsplatz bemüht, in diesem Jahr sind es nur noch 2600. Viele Lehrstellen könnten diesmal unbesetzt bleiben, so wird befürchtet, und das hat wiederum Auswirkungen auf das künftige Fachkräftepotenzial in den Unternehmen.

Auch in anderen Regionen des Landes sieht es ähnlich aus. Und so hofft Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, mit der "Hitparade der Berufe" im Internet Bleibeperspektiven zu eröffnen.

Schlüsse für die Lehrstellenbewerbung können Schulabgänger beispielsweise aus der Stellen-Bewerber-Relation ziehen. So kommen im Agenturbezirk Magdeburg bei der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik auf 14 Stellen derzeit 3 Bewerber (0,2 Bewerber pro Stelle). Wer späger Brötchen und Kuchen verkaufen möchte, hat es mit etwas mehr Konkurrenz zu tun: Hier gibt es 26 Plätze und 15 Bewerber (0,6). Für rund 40 Berufe mit einer Stellen-Bewerber-Relation unter 1,0 sieht die Arbeitsagentur Magdeburg in ihrem Bezirk positive Trends und gute Zukunftschancen.

Ein neutraler Trend und angemessene Zukunftschancen werden für 30 Ausbildungsberufe prognostiziert, zum Beispiel für Industriekaufleute, Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte oder Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik. Hier kommt auf eine Stelle ein Bewerber. Angemessene Chancen sieht die Agentur auch für Maurer. Dort gibt es für derzeit 24 Bewerber 14 Stellen (1,7). Oder für Anlagenmechaniker, dort bemühen sich 14 Bewerber um 10 angebotene Lehrstellen (1,4).

Aufschlussreich sind ebenso die Daten zum Anteil der über 55-Jährigen in den zehn stärksten Berufsgruppen. In Reinigungsberufen und bei Technikern hat bereits jeder fünfte Mitarbeiter (21 Prozent) den 55. Geburtstag hinter sich. Ihr altersbedingtes Ausscheiden aus dem Berufsleben wird zu einer verstärkten Nachfrage nach entsprechenden Arbeitskräften führen. Bei Bürofach- und Bürohilfskräften (19 Prozent), im Landverkehr und in sozialpflegerischen Berufen (je 18 Prozent) ist der Anteil der über 55-Jährigen ebenfalls hoch. In diesen Sparten hat sich auch schon in den vergangenen beiden Jahren die Arbeitskräftenachfrage deutlich erhöht.

In den Agenturbezirken Stendal und Magdeburg sehen die Statistiker vor allem für Jugendliche gute Chancen auf eine längerfristige Beschäftigung, die eine Ausbildung zu Warenkaufleuten oder Dienstleistungskaufleuten aufnehmen, die sich für Gesundheits- und Pflegeberufe entscheiden oder eine Lehre in der Elektriker-Sparte aufnehmen. Im Agenturbezirk Halberstadt sind die Gesundheitsdienstberufe vorn, gefolgt von Elektrikern, Warenkaufleuten, metallverarbeitenden Berufen und Gästebetreuern. (www.arbeitsagentur.de)Meinung