Das Handwerk in Ostdeutschland muss sich nach Ansicht des Ostdeutschen Bankenverbandes auf neue Rahmenbedingungen einstellen. In den Blickpunkt werden zunehmend Finanzierungsfragen rücken, heißt es in einem Papier des Verbandes.

Magdeburg. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Ostdeutschland kommen nach Ansicht des Ostdeutschen Bankenverbandes auf das Handwerk neue Herausforderungen zu. Zum einen werde es künftig noch schwieriger, qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl zu gewinnen, zum anderen führe die abnehmende Bevölkerung für viele Handwerksbetriebe zur Abnahme des lokalen beziehungsweise des regionalen Nachfragepotenzials, heißt es in einer aktuellen Studie des Verbandes.

Darauf könne man in Form spezifischer Angebote etwa an ältere Zielgruppen, die räumliche Erweiterung des Absatzmarktes oder die Erschließung neuer Kundensegmente reagieren, schreiben die Banker. Dafür seien aber Investitionen unerlässlich.

In diesem Zusammenhang macht der Bankenverband auf ein Grundproblem aufmerksam. "Oftmals verfügen die Handwerksbetriebe aber über eine relativ geringe Eigenkapitaldecke. Sie sind daher in hohem Maße auf Fremdkapitalfinanzierungen angewiesen, vor allem auf Bankkredite", lautet die Analyse.

In Folge der Finanzmarktkrise würden sich auch die Marktbedingungen für Mittelstandskredite verändern. Hintergrund: Nach neuen internationalen Bankaufsichtsregeln müssten Banken für eingegangene Risiken künftig mehr Eigenkapital als bisher vorhalten. Damit würden die Eigenkapitalkosten deutlich steigen. "Deshalb wird bei der sogenannten Eigenkapitalsteuerung in Banken noch intensiver darauf zu achten sein, hohe Kreditausfälle zu vermeiden", schreibt der Bankenverband: "Für Kreditnehmer bedeutet dies, dass eine gute Eigenkapitalausstattung sowie werthaltige Sicherheiten noch wichtiger werden." So würden Alternativen zum klassischen Kredit zunehmend an Bedeutung gewinnen. Als Beispiele führt der Bankenverband insbesondere Beteiligungskapital sowie eigenkapitalersetzende Darlehensformen wie zum Beispiel stille Beteiligungen der mittelständischen Beteiligungsgesellschaften oder Nachrangdarlehen von Förderbanken an.

"Für die Betriebe ist es angesichts der Szenarios umso wichtiger, sich bereits jetzt dem Strategiethema Finanzierung intensiv zu widmen", ruft der Bankenverband das Handwerk zu rechtzeitiger Vorsorge auf. Zugleich werde es noch stärker notwendig sein, dass Kunden und Hausbank eine "intensive wechselseitige Finanzkommunikation" pflegen.

Der Ostdeutsche Bankenverband mit Sitz in Berlin vertritt die privaten Banken in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin. Zu seinen mehr als 40 Mitgliedsbanken zählen Großbanken, Regional- und Spezialbanken sowie Privatban- kiers.

Insgesamt befindet sich das Handwerk nach Ansicht des Bankenverbandes auf Erholungskurs, die Stimmung in den einzelnen Branchen hat sich deutlich aufgehellt. Positive Effekte dürften unter anderem auf die staatlichen Konjunkturpakete zurückgehen, die sowohl die kommunalen Bauinvestitionen, den Fahrzeugkauf als auch private energetische Sanierungsmaßnahmen stimulierten, heißt es weiter. Fördernd würden sich zudem die derzeit noch niedrigen Hypothekenzinsen, das im Zuge der konjunkturellen Entwicklung positivere Konsumklima der privaten Haushalte sowie gestiegene Aussichten und Investitionsneigung der Industrie erweisen.

In der näheren Zukunft würden die Betriebe überwiegend zuversichtlich. Ob sich die Erwartungen auch langfristig erfüllen, so der Bankenverband, werde allerdings erheblich von der konjunkturellen Entwicklung der Gesamtwirtschaft über 2011 hinaus und deren Auswirkungen auf die Investitions- bereitschaft der Unternehmen, den Arbeitsmarkt und in Folge auf das Konsumklima der privaten Haushalte abhängen. So sei zu erwarten, dass sich das Auslaufen der Konjunktur- pakete sowie der absehbare Einstieg in staatliche Sparmaßnahmen in geringeren Auftrags- zahlen niederschlügen.