Mittelständische Unternehmen sollen künftig in die Entwicklungspolitik des Bundes eingebunden werden. Das sagte der Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), Dirk Niebel (FDP), gestern in Magdeburg. Er warb für eine künftige Zusammenarbeit, um Armut in Entwicklungsländern abzubauen und deutschen Unternehmen neue Absatzmärkte zu ermöglichen.

Von Marco Papritz

Magdeburg. Den deutschen Mittelstand stärker in die Entwicklungspolitik des Bundes einzubinden, das ist ein Anliegen des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel (FDP). Er stellte gestern in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg im Rahmen der Informationsreihe "wirtschaft.entwickelt.global" Fördermöglichkeiten vor, die der Bund regionalen Firmen zur Verfügung stellt. "Wir müssen unsere Stärken nutzen, um die Schwachen auf der Welt zu unterstützen. Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands fußt vor allem auf dem Mittelstand. Diese Kenntnisse und Kompetenzen unserer Unternehmer werden in Entwicklungsländern gebraucht", so Niebel.

Dabei gehe es nicht um die reine Schaffung neuer Absatzmärkte, sondern um Entwicklungspartnerschaften. "Wohltätigkeit ist nett, sie zu haben. Sie ist aber niemals nachhaltig und dauerhaft im Kampf gegen Armut", sagte Niebel. Er wisse, dass gerade kleine und mittlere Betriebe oftmals "nicht gleich den Blick in aufstrebende Märkte und Regionen schicken, selbst wenn die in ihrem Bereich Champions sind". Dies täten oftmals große Betriebe, die dafür eigene Abteilungen hätten. "Deswegen wollen wir mit verschiedenen Serviceangeboten Win-win-Situationen schaffen", so Niebel.

Dazu gehöre auch eine eigens eingerichtete Servicestelle im Bundesministerium, die der Wirtschaft als einheitliche Ansprechstelle beratend zur Seite steht. Es werden künftig auch sogenannte Entwicklungs-Scouts entsandt, die regional oder branchenspezifisch beim Schritt ins Ausland beraten können, die aber "auch die Projektangel auswerfen." Denn: "Wir brauchen das Know-how, die Expertise aber auch die Finanzmittel der privaten Wirtschaft", stellte er klar.

Der Bundesminister verwies dabei auf das Programm "develoPPP.de", das Unternehmen und entwicklungspolitische Organisationen beim Planen, Finanzieren und Umsetzen von Projekten zusammenbringt. Er wisse, dass deutsche Unternehmen "manchmal in der Welt nicht die Ersten seien, die anfangen in ein Land zu kommen. Wir wissen, dass wir meist diejenigen sind, die länger bleiben."

Für dieses Vorhaben stünden in diesem Jahr 60 Millionen Euro zur Verfügung. Jedes Unternehmen verpflichte sich, ethnologische und soziale Standards einzuhalten. Umweltbedingungen seien ebenfalls festgelegt.

Seit zwei Jahren gebe es in Sachsen-Anhalt bereits ein Projekt mit Ghana, an dem zwei Unternehmen aus Magdeburg und Wernigerode sowie die IHK beteiligt sind, informierte IHK-Präsident Klaus Olbricht. "Wir sind dort auf dem Sektor der Ernährungswirtschaft, auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und dem Gebiet der Bildung und wissenschaftlichen Kooperation tätig", so Olbricht.