Magdeburg. Auf dem traditionellen Jahresempfang der Agentur für Arbeit hat sich am Mittwoch der neue Agenturchef Matthias Kaschte rund 160 Gästen aus der regionalen Wirtschaft vorgestellt. "Das Jahr 2010 hat den Blick auf den Arbeitsmarkt verändert", stellte Kaschte fest. Der bisher theoretisch diskutierte Fachkräftebedarf rücke als praktisches Problem auf die Tagesordnung. Das sei nicht nur dem Aufschwung geschuldet, sondern auch dem demografischen Wandel.

Die sinkenden Arbeitslosenzahlen und die Zunahme offener Stellen seien erfreulich, zufriedenstellen könne das aber noch nicht. "Jeder, der unfreiwillig ohne Arbeit ist, ist einer zu viel", betonte Kaschte.

Die Unterbeschäftigung werde bis 2025 weiter zurückgehen, und das gehe im Osten Deutschlands aufgrund der demografischen Entwicklung schneller als im Westen, so die Prognose von Professor Lothar Abicht vom Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle (isw). Es gebe weniger Berufseinsteiger und mehr Renteneinsteiger. Damit habe sich die Entwicklung komplett umgekehrt. "Wir haben wohl alle bisher nur eine schwache Vorstellung, was das bedeutet", so Abicht.

Der Wissenschaftler und der Agenturchef waren sich darin einig, dass dieses Problem nur gemeinsam bewältigt werden kann. Auch das Thema Migration dürfe dabei nicht außer Acht gelassen werden, es werde einen Wettbewerb um Fachkräfte zum Beispiel aus osteuropäischen Ländern geben, einige Bundesländer wie Bayern würden sich dafür längst rüsten, sagte Abicht.

Zuallererst müssten aber die eigenen Ressourcen genutzt werden, betonten Abicht und Kaschte. Bei Arbeitslosengeld-II-Empfängern werde derzeit um fünf Euro mehr pro Monat gefeilscht und dabei vergessen, dass aus diesem Pool vor allem auch ein Teil des Fachkräftebedarfs gesichert wird, betonte Kaschte. An Arbeitgeber appellierte er, bei der Berufsausbildung auch solchen Bewerbern eine Chance zu geben, denen man früher keine gegeben hätte. Die vorhandenen Mitarbeiter gelte es zu qualifizieren, bei Neueinstellungen müssten auch wieder mehr ältere Bewerber berücksichtigt werden. Aber auch die Älteren selbst nimmt Kaschte in die Pflicht. Wichtig sei es, sich immer wieder neuen Anforderungen zu stellen. Die Arbeitsagenturen würden beraten und Hilfen bereitstellen.

Angestrebt werde auch ein positives Wanderungssaldo. "Das Gesamtpaket muss stimmen, da geht es nicht nur um Löhne, sondern um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Aufstiegschancen, um eine attraktive Region, um Bildung, Kultur und darum, wie offen die Menschen sind", fasste Kaschte zusammen.