Von Andrej Sokolow

Barcelona (dpa). Google ist erst seit wenigen Jahren im Mobilfunk-Markt – und strebt mit seinem Betriebssystem Android bereits an die Spitze. Bei der wichtigsten Branchenmesse in Barcelona tritt Google-Chef Eric Schmidt selbstbewusster denn je auf.

Die weltgrößte Mobilfunk-Messe hätte in diesem Jahr Mobile Android Congress heißen können. Das unter Googles Führung entwickelte Betriebssystem ist allgegenwärtig in Barcelona. Die meisten neuen Smartphones laufen mit Android, egal ob die "Facebook-Telefone" von HTC, das "Playstation-Handy" von Sony Ericsson oder Samsungs neues Galaxy-Flaggschiff. Und neue Android-Tablets sollen das erfolgreiche iPad von Apple herausfordern.

Erst vor vier Jahren wagte sich der Internetkonzern in das von Handy-Herstellern und Netzbetreibern beherrschte Mobilfunk-Geschäft. Mittlerweile hat Android die Nokia-Plattform Symbian als Nummer 1 abgelöst. In den kommenden Jahren dürfte sich die Software weiter massiv ausbreiten, wenn heutige einfache Telefone von den Computer-Handys verdrängt werden. So wirkte Schmidt auf der Bühne des Mobile World Congress immer wieder wie ein Staatsmann, der zu seinem Volk spricht: versöhnlich, visionär, aber auch machtbewusst.

Dem Nokia-Konzern, der in seiner Symbian-Misere in die Arme von Microsoft statt in die Android-Allianz flüchtete, versprach Schmidt großzügig Vergebung: "Das Angebot steht weiterhin." Dass er damit gleichzeitig ein Scheitern der Kooperation für möglich hält, keine Woche nachdem sie angekündigt wurde, gehört zum aktuellen Ton bei Google dazu. Den Windows-Riesen rüffelte Schmidt im Vorbeigehen auch noch dafür, dass dessen Suchergebnisse "manchmal zu gut" seien – in Anspielung auf den jüngsten Vorwurf, Microsofts Suchmaschine Bing werte auch Treffer von Google aus.

Die vieldiskutierte Facebook-Bedrohung spielte Schmidt herunter. "Facebook-Mitglieder nutzen Google mehr", erklärte er. Das sei auch gut für das Werbegeschäft von Google. "Ich weiß nicht, ob sich das in den kommenden Jahren ändern wird", wischte er Vorhersagen beiseite, das weltgrößte Online-Netzwerk mit mehr als 600 Millionen Nutzern könnte wie ein riesiger Staubsauger die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen und damit auch die Grundlage für Googles Werbegeschäft torpedieren.

In die aktuelle Position der Stärke im Mobilfunk-Markt brachte Google das Wesen von Android: seine Offenheit. Das Betriebssystem kann jeder Hersteller ohne Lizenzzahlungen einsetzen und nach eigenem Geschmack anpassen. "Für uns war Android die Rettung", sagt ein Manager eines mittelgroßen Handy-Herstellers mit entwaffnender Ehrlichkeit.

Jetzt kommt eine Welle günstiger Android-Smartphones, die den künftigen Google-Verwaltungsratschef Schmidt endgültig zu einer Art "Ehrenpräsidenten" der Mobilfunk-Branche machen könnte. Und bei dem Tempo, mit dem mobile Geräte traditionelle Computer in den Hintergrund rücken, vielleicht auch darüber hinaus.

In dieser Rolle bemühte sich der 55-Jährige sichtlich um Frieden mit den Netzbetreibern. Diese sind sauer, dass Neuankömmlinge wie Apple und Google fette Gewinne einstreichen, während sie Milliarden in schnelle Datennetze pumpten. Google sei sich der hohen Kosten bewusst, sagte Schmidt. Zugleich werde der Aufbau der nächsten Netzgeneration LTE Anwendungen ermöglichen, "die wir uns heute gerade eben erst überhaupt vorstellen können" – eine Chance für alle.