Die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH in Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr rund 2450 Hektar landwirtschaftliche Fläche verkauft. Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: Kaufpreise für Acker- und Grünland sowie der Pachtzins steigen an.

Magdburg. Es werde weder in nennenswertem Umfang an Kapitalanleger Land verkauft, noch werde durch Biogasanlagenbetreiber der Preis großflächig in die Höhe getrieben. Es handele sich nur um Einzelfälle. Anderslautende Behauptungen stellten die Niederlassungsleiter Hans-Egbert von Arnim (Magdeburg) und Arnfried Knüpfer (Halle) gestern in die Märchen-Ecke. Mehr als 90 Prozent der Fläche habe die BVVG an ortsansässige Landwirtschaftsbetriebe verkauft, betonten beide.

Auch Geschäftsführer Wilhelm Müller hatte kürzlich in Berlin klargestellt: "Für Kapitalanleger sind unsere Ausschreibungen mit durch- schnittlich rund zehn Hektar uninteressant." Sie übernähmen Geschäftsanteile oder kauften komplette Landwirtschaftsbetriebe. Darauf habe die BVVG keinen Einfluss.

Im vergangenen Jahr hat die BVVG in Sachsen-anhalt 2450 Hektar landwirtschaftliche Fläche verkauft. 3600 Hektar öffentlich ausgeschriebene Fläche wurde vertraglich gebunden, darunter 72 Prozent über Pachtverträge. Meist seien fünf bis sechs Gebote eingereicht worden, fast ausschließlich von ortsansässigen Bietern, sagte von Arnim. Die Landwirte bestimmten damit die Preise. Das zweit- und drittbeste Gebot sei meist nicht weit vom jeweiligen Höchstgebot entfernt gewesen.

Landwirtschaftliche Fläche zum Verkehrswert hat die BVVG im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt im Schnitt für 14 053 Euro pro Hektar verkauft. Im Vergleich: In den alten Bundesländern kostete ein Hektar Acker- und Grünland im Schnitt 17 960 Euro (2009).

Die Ausschreibung sei das Regelverfahren bei der Flächenprivatisierung zum Verkehrswert, erklärten die Niederlassungsleiter. Die bei den Ausschreibungen ermittelten Marktdaten und ähnlich zustandegekommene Preise zwischen Dritten bildeten die Grundlage für die Preisermittlung. Alles andere wäre versteckte Subvention, betonte von Arnim. Der Kaufvertrag wäre damit nichtig. "Auch Landgesellschaften und Kirche erzielen sehr ähnliche Preise wie wir", so von Arnim weiter, der damit die immer aus der Bauernschaft wiederkehrenden Vorwürfe der Preistreiberei gegen die BVVG abzuwehren suchte.

Flächen wurden aber nicht nur an Landwirte verkauft, sondern auch für Infrastrukturmaßnahmen des Landes bereitgestellt, darunter 50 Hektar im Gewerbegebiet Magdeburg-Osterweddingen sowie 13 Hektar zur Entwicklung eines Industriegebietes in Sangerhausen. Kritik von Bauern, bei Osterweddingen (Sülzetal) werde bester Bördeboden verschwendet, begegnete von Arnim mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. Ein Investor treffe seine Ansiedlungsentscheidung nicht nach Sand- oder Schwarzerdeböden, sondern nach logistischen Gesichtspunkten, sagte er.

Über die Ziele für 2011 informierte Halles Niederlassungsleiter Arnfried Knüpfer: Für 21 700 Hektar Acker- und Grünland enden die Pachtverträge. Von den für den Direkterwerb verfügbaren Flächen liegen bisher Rück- meldungen für rund 11 000 Hektar vor. Demnach wollen die Betriebe 34 Prozent der Fläche direkt kaufen, 16 Prozent für vier Jahre pachten und dabei die Kaufoption behalten. 50 Prozent der Fläche soll für neun Jahre erneut gepachtet werden, damit verbunden ist aber der Verzicht auf die Möglichkeit, die Flächen direkt zu erwerben.

Die Niederlassungen Halle und Magdeburg wollen rund 5400 Hektar Acker- und Grünland und 2600 Hektar Wald verkaufen. Damit sollen 108 Millionen Euro erlöst werden. Zur Sicherung des nationalen Naturerbes sollen 4750 Hektar an das Land übertragen werden.

Ein wichtiger Schwerpunkt 2011 wird die Umsetzung des 2. Flächenerwerbsänderungsgesetzes sein. Alteigentümer haben die Möglichkeit, Flächen in einem begrenzten Umfang günstiger als bisher zu erwerben. Dabei werden die Wertansätze 2004 herangezogen. Damals kostete ein Hektar landwirtschaftliche Fläche im Schnitt 4000 bis 4300 Euro.

Grund für die Gesetzesänderung sei, dass Anspruchsberechtigte zum Teil seit Ende der 90er Jahre auf ihre Ausgleichsleistungsbescheide von den Landesämtern zur Regelung offener Vermögensfragen warten. Damit sollen Benachteiligungen durch die schleppende Antragsbearbeitung vermieden werden.

Für Sachsen-Anhalt sind laut Knüpfer noch 170 Anträge auf insgesamt 3500 Hektar Fläche registriert.