Essen (dpa). Die Zahl der Schadenersatzklagen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nimmt zu. Am Wochenende wurde eine weitere Millionenforderung gegen Middelhoff und andere Ex-Manager des 2009 zusammengebrochenen Konzerns bekannt. Kläger ist ein weiteres Mal Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg.

Neben Middelhoff sind fünf Ex-Vorstände und zwei frühere Aufsichtsratsvorsitzende betroffen. Ihnen wird – unter anderem – vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben. So habe Middelhoff für das Geschäftsjahr 2007/08, als der Konzern 746 Millionen Euro Verlust machte, einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert – für "seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008", wie es in der Begründung des Aufsichtsrats hieß. Middelhoff bestreitet alle Vorwürfe und will Görg sogar wegen Prozessbetrugs verklagen.

Das sind aber nicht die einzigen Forderungen, die entweder Middelhoff direkt oder andere Manager betreffen. So will Görg auch von Ex-Karstadt-Chef Stefan Herzberg Schadenersatz. Er macht ihn und womöglich vier weitere damalige Mitgeschäftsführer dafür haftbar, 250 Millionen Euro bei der früheren Konzernmutter Arcandor nicht eingefordert zu haben. Der Betrag stand Karstadt aufgrund eines Ergebnisübernahmevertrags als Verlustausgleich für das Geschäftsjahr 2007/2008 zu, wurde aber nie gezahlt.