Paris (dpa). Erstmals haben sich die G-20-Staaten auf Indikatoren für die Messung von Ungleichgewichten zwischen den Wirtschaftsnationen geeinigt. Die 20 großen Industrie- und Schwellenländer, die 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft ausmachen, wollen auf diese Weise künftigen Krisen vorbeugen. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis", sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Um China mit ins Boot zu holen, wurden die Währungsreserven nicht mehr ausdrücklich als Kriterium genannt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich ebenfalls zufrieden. "Es ist ein Ergebnis, mit dem wir alle leben können", sagte er. Schäuble begrüßte, dass ein ganzes Bündel von Indikatoren zugrunde gelegt werde. Dies sind Schuldenstand und Haushaltsdefizit, private Sparquote und privater Schuldenstand, Außenhandelsbilanz und Investitionsströme. Auch sollen die Wechselkurse und die Steuer- und Währungspolitik berücksichtigt werden.

Schäuble sagte, mit dieser Auswahl von Kriterien sei gewährleistet, dass Länder mit einem hohen Exportüberschuss – wie Deutschland – nicht als Hauptursache von Problemen identifiziert würden. Zudem gebe es keine klaren Zielvorgaben, die Deutschland unter Druck gesetzt hätten.

Vor allem China hatte sich bei den Verhandlungen lange quergestellt. Das Land sitzt auf den weltgrößten Währungsreserven. Außerdem ist die chinesische Währung gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes zu niedrig bewertet. So können die Chinesen ihre Waren besonders billig in andere Länder exportieren. Die USA hatten Peking in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, den Yuan künstlich niedrigzuhalten.

In der Debatte über wirtschaftliche Ungleichgewichte stehen vor allem Exportnationen wie China und Deutschland mit ihren Exportüberschüssen am Pranger. Immer wieder gab es Vorstöße aus dem G-20-Kreis, Exporte solcher Länder zu begrenzen. Die Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten ist dagegen deutlich negativ.

Im nächsten Schritt wird es darum gehen, Richtlinien für jeden Indikator zu finden. Dies soll bis April geschafft sein. Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde sich um die Umsetzung kümmern, hieß es.

Der starke Anstieg der Rohstoff- und Lebensmittelpreise, die der französischen G-20-Präsidentschaft besonders wichtig sind, wurden diskutiert, ohne dass es konkrete Ergebnisse gab. "Es ist dringend notwendig und gut, dass die Finanzminister sich damit beschäftigen. Wir setzen alles daran, übermäßige Preisschwankungen zu verhindern", sagte Schäuble.